Papst bestimmt Regeln für Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani Papst Franziskus hat neue Regeln für den Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche erlassen.

09.05.2019

In einem am Donnerstag im Vatikan veröffentlichten Dekret verpflichtet das Kirchenoberhaupt sämtliche Diözesen zur Einrichtung von Meldestellen. Priester und Ordensmitglieder müssen künftig jeden Verdachtsfall dem zuständigen Bischof oder der jeweils zuständigen kirchlichen Instanz melden. Die Bestimmungen treten am 1. Juni in Kraft.

Das Dekret gilt für alle Formen des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker und Ordensleute. Darunter fallen sexuelle Handlungen "unter Gewalt oder Drohung oder durch Amtsmissbrauch", sexuelle Handlungen mit Minderjährigen oder einer schutzbedürftigen Person und Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie. Solche Straftaten müssen in Zukunft gemeldet und untersucht werden. Zudem stellt das Dekret auch die Vertuschung von Missbrauchsfällen unter Strafe. Der Erlass wird mit dem Sechsten Gebot begründet, das Ehebruch untersagt.

Betroffenen "mit Würde und Respekt" begegnen

Das Dokument verfügt auch, dass kirchliche Autoritäten Betroffenen und ihren Familien "mit Würde und Respekt" begegnen müssen. Ihnen soll künftig medizinische, therapeutische und psychologische Betreuung angeboten werden.

Außerdem regelt der Papst per Dekret, wie zu verfahren ist, wenn leitende Geistliche, Ordensobere, Bischöfe oder Kardinäle des Missbrauchs oder der Vertuschung beschuldigt werden. Bei Vorwürfen gegen Bischöfe sind künftig zunächst die ihnen übergeordneten Bischöfe für Ermittlungen zuständig. Nach Abschluss der Ermittlungen müssen alle Akten an die Glaubenskongregation im Vatikan übergeben werden, die dann ein Verfahren einleitet. Der Papst betont in dem Erlass, dass auch Laien mit spezifischen Kompetenzen in die Ermittlungen einbezogen werden können.

Untersuchungen gegen Bischöfe müssen dem Erlass zufolge innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein. Binnen eines Monats nach Erhalt der ersten Meldung ist der Heilige Stuhl über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Das Dekret wurde als "Motu proprio" mit dem Titel "Ihr seid das Licht der Welt" in sieben Sprachen veröffentlicht. Es folgt auf den im Februar abgehaltenen Missbrauchs-Gipfel im Vatikan, zu dem der Papst alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit eingeladen hatte.