Entwicklungsminister dringt auf Plastiktüten-Verbot

epd-bild/Jens Schulze Ein Vorstoß des Entwicklungsministers sorgt für Irritationen in der Bundesregierung: Gerd Müller (CSU) will Plastiktüten sofort verbieten - dabei kommt laut Umweltministerium der Kampf gegen die Kunststoff-Tragetaschen bereits gut voran.

10.05.2019

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert ein schnelles Verbot von Plastiktüten. Nur mit einem solchen Verbot könne man die ungebrochenen Müllexporte in Entwicklungs- und Schwellenländer eindämmen, sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag). Das Verbot von Plastik-Strohhalmen genüge nicht: "Deutschland sollte nicht auf Europa warten und Einweg-Plastiktüten sofort verbieten." Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) reagierte "verwundert" über den Vorschlag des CSU-Ministers. Es gebe bereits eine Regelung für Plastiktüten, und der Rückgang seitdem sei erheblich, sagte ein Sprecher Schulzes.

"Wir versinken im Müll"

Müller verwies auf verschiedene afrikanische Länder, die Plastiktüten bereits verboten hätten. "Was Ruanda, Kenia und Uganda können, müssen wir auch schaffen", sagte der Minister. Es könne nicht das Ziel Deutschlands sein, den Müll einfach in andere Länder wie Malaysia zu schicken.

"Wenn wir so weiter machen, versinken wir im Müll", warnte der CSU-Politiker. Müll werde wie der Klimawandel zu einer globalen Überlebensfrage. Die Menge von derzeit zwei Milliarden Tonnen Müll jährlich könnte bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen, der Plastikmüll in den Meeren sich in dieser Zeit sogar verzehnfachen. Sein Ministerium fördere deshalb weitweit Projekte zur Abfallvermeidung, Wiederverwertung und Entsorgung und setze auf eine neue internationale Allianz gegen Abfall.

Maßnahmen nach der Sommerpause

Der Sprecher des Umweltministeriums betonte, seit 2016 müssen Plastiktüten an der Kasse bezahlt werden. Seitdem sei der Verbrauch dieser Transporttüten um 60 Prozent zurückgegangen. Plastiktüten machten zudem nur ein Prozent der Verpackungen aus Plastik aus. "Das kann nicht die Stellschraube sein", sagte der Ministeriumssprecher: "Plastiktüten sind ein Randphänomen."

Er sagte, Schulze wolle erreichen, dass EU-weit zehn Einwegartikel aus Plastik wie Strohhalme verboten werden und für mehr und besseres Recycling gesorgt wird. Zudem kündigte er eine Vereinbarung mit dem Handel zur Vermeidung von Plastikverpackungen an. Man wolle einen weitreichenden Rückgang vereinbaren. Im Gespräch sei, bei Obst und Gemüse möglichst gar keine Plastikverpackungen mehr zu verwenden. Nach dem Sommer sollten Maßnahmen vorgelegt werden.