Yücel wirft türkischem Wachpersonal Folter vor

epd-bild/Christian Ditsch Der in der Türkei wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung angeklagte Journalist Deniz Yücel ist eigenen Angaben zufolge in Haft gefoltert worden.

10.05.2019

Deniz Yücel ist nach eigenen Angaben im türkischen Gefängnis misshandelt worden. Wie die "Welt" am Freitag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, gab der Journalist in seiner Verteidigungsschrift an, er sei über mehrere Tage wiederholt und systematisch geschlagen, bedroht und gefoltert worden. Er gehe davon aus, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zumindest die politische Verantwortung für die Folter trage, wenn er sie nicht direkt befohlen habe.

Freilassung nach knapp einem Jahr

Die "Welt" beruft sich auf die Verteidigungsschrift Yücels, die er am Freitag vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten eingereicht hat. Das Gericht nahm die Schrift einer Gerichtssprecherin zufolge im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens zwischen den beiden Ländern entgegen.

Der damalige Türkei-Korrespondent der "Welt" saß von Ende Februar 2017 an im Hochsicherheitsgefängnis Silivri nahe Istanbul in Untersuchungshaft. Nachdem die Staatsanwaltschaft knapp ein Jahr später eine Anklageschrift gegen den Journalisten vorlegte, verfügte ein Gericht seine Freilassung. Yücel verließ anschließend die Türkei, wo ihm bis zu 18 Jahre Gefängnis drohen. Der Prozess gegen Yücel begann im Juni 2018 in seiner Abwesenheit.

Yücel hatte seit 2015 für die "Welt" aus der Türkei berichtet und sich in einigen seiner Artikel kritisch über den Kurdenkonflikt und den Putschversuch im Juli 2016 geäußert. Der türkische Präsident Erdogan bezeichnete Yücel in einer Rede als "PKK-Vertreter" und "deutschen Agenten".