Unternehmen kritisch gegenüber Azubi-Mindestlohn

epd-bild/Steffen Schellhorn Lehrlinge sollen künftig eine Mindestvergütung bekommen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt vor sinkender Ausbildungsbereitschaft der Firmen.

14.05.2019

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) äußert Bedenken gegen den geplanten Azubi-Mindestlohn. Insbesondere die vorgesehenen Steigerungen von Ausbildungsjahr zu Ausbildungsjahr belasteten kleinere Unternehmen in erster Linie in Ostdeutschland, sagte Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag). Eine sinkende Ausbildungsbereitschaft sei zu befürchten.

Grundsätzlich sei es richtig, die Attraktivität der Berufsausbildung zu erhöhen, sagte Dercks und verwies auf Fachkräftemangel in allen Branchen. "Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um zusätzliche Angebote wie Auslandsaufenthalte und Zusatzqualifikationen", argumentierte der DIHK-Vertreter. Die Tarifparteien hätten sich in den vergangenen Jahren auch ohne gesetzliche Regelung auf überdurchschnittliche Steigerungen verständigt.

Kabinettsbeschluss am Mittwoch angestrebt

Das Bundesbildungsministerium will nach dem Vorbild des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns eine Mindestvergütung für Auszubildende auf den Weg bringen. Vom Jahr 2020 an sollen sie im ersten Ausbildungsjahr mindestens 515 Euro pro Monat erhalten. In den Folgejahren soll sich die Ausbildungsvergütung laut Ministerium weiter erhöhen - im Jahr 2021 auf 550 Euro, ein Jahr später auf 585 Euro und ab 2023 auf 620 Euro. Zudem seien Aufschläge für Lehrlinge im zweiten, dritten und vierten Ausbildungsjahr geplant. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) strebt einen Kabinettsbeschluss zur Reform des Berufsbildungsgesetzes für Mittwoch an.

Karliczeks Initiative stieß bei Mittelstandsvertretern in der Union auf Kritik. "Die Festlegung von Ausbildungsvergütungen ist nicht Sache des Staates", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung, Hans Michelbach, der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). "Mit der geplanten Regelung wird ein weiteres Mal die Tarifautonomie untergraben. Das ist kein gutes Signal und wird die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen nicht fördern", warnte Michelbach.

Zustimmung für das Vorhaben kam dagegen aus der SPD. "Auszubildende arbeiten produktiv mit und haben deshalb eine faire Vergütung verdient", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek der "Passauer Neuen Presse".