Kampf gegen Antisemitismus im Fokus deutscher EU-Ratspräsidentschaft

epd-bild / Gustavo Alàbiso Die Bundesregierung will den Kampf gegen Antisemitismus zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr machen.

14.05.2019

Das sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) laut Redemanuskript am Dienstag bei der Eröffnungsveranstaltung eines Europäischen Netzwerks zur Bekämpfung von Antisemitismus. Die europaweite Vernetzung von Organisationen, die sich mit Bildungsprogrammen gegen Antisemitismus engagierten, könne dabei eine wichtige Stütze sein. Zu ihnen gehört unter anderen die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) aus Berlin.

Maas verwies in seiner Ansprache auf eine Studie, wonach 40 Prozent der jungen Deutschen nach eigener Einschätzung kaum Kenntnis über den millionenfachen Massenmord an den europäischen Juden hätten. Doch das Verständnis der eigenen Geschichte sei mehr als nur Wissen um die Vergangenheit. Es sei die beste Immunisierung gegen Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus, betonte er. Deshalb müssten die Wissenslücken geschlossen werden.

Stumpfsinn und Niedertracht

Derzeit hätten europaweit 89 Prozent der Jüdinnen und Juden das Gefühl, dass Antisemitismus in ihrem Land zunimmt, fügte der Minister hinzu. Mehr als ein Drittel traue sich kaum, die Religionszugehörigkeit offen zu zeigen oder denke an Auswanderung. Zugleich komme es immer häufiger vor, dass eine radikale Minderheit laut dröhne und die große Mehrheit dazu schweige. Erst vor zwei Wochen seien uniformierte Neonazis durch die Stadt Plauen marschiert. Und AfD-Anhänger grölten ganz unverhohlen "Deutschland, Deutschland über alles". Es seien Bilder, die dazu bringen müssten aufzustehen gegen so viel Stumpfsinn und Niedertracht, sagte Maas.

Deutschland wird von Juli bis Dezember 2020 die EU-Ratspräsidentschaft innehaben.