Erste Bilanz: 570 vertrauliche Geburten in fünf Jahren

epd-bild / Daniel Peter Es werden weniger Neugeborene in einer Babyklappe abgelegt, seit es die vertrauliche Geburt gibt, bei der die Mutter zunächst anonym bleiben kann. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesregierung, fünf Jahre nach der Einführung des Gesetzes.

14.05.2019

Rund 110 Frauen pro Jahr nehmen das Angebot einer vertraulichen Geburt an und bringen ihr Kind anonym zur Welt. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zog am Dienstag in Berlin eine positive Bilanz des im Mai 2014 in Kraft getretenen Gesetzes. Sie sagte, schwangere Frauen in Notlagen bräuchten Hilfe und Unterstützung. Giffey verwies auch auf den Erfolg des Hilfetelefons. Rund 6.500 Schwangere in Not wendeten sich jedes Jahr an die Beraterinnen. Das Gesetz zeige Wirkung.

Durch die Möglichkeit einer vertraulichen Geburt haben in den vergangenen fünf Jahren 570 Frauen ihr Kind nicht allein, sondern mit Hilfe einer Hebamme oder in einer Klinik zur Welt gebracht, obwohl sie die Schwangerschaft verbergen mussten. Die Kinder werden zur Adoption freigegeben.

150 anonym abgegebene Säuglinge

Einer Befragung im Auftrag des Familienministeriums zufolge wurde mit der Einführung der vertraulichen Geburt der Trend zu immer mehr Abgaben von Neugeborenen in Babyklappen gestoppt. Von 2000 bis 2013 hatte sich die Zahl der anonym abgegebenen Neugeborenen auf 147 im Jahr 2013 mehr als verdreifacht.

Im Jahr 2014 sank sie auf 124 und stieg auf rund 150 anonym abgegebene Säuglinge in den Jahren 2015 und 2016. Damit sei die Zahl der anonymen Kindsabgaben zwar nicht weiter gesunken, liege aber unter den zu erwartenden Zahlen ohne die Alternative der vertraulichen Geburt, so die Autoren der Studie. Sie haben errechnet, dass in den drei Jahren 95 Babys weniger bei einer Babyklappe abgegeben wurden als zu erwarten gewesen wäre.

Hilfsangebote für schwangere Frauen

Der Befragung zufolge haben sich in den vergangenen fünf Jahren 2.250 Frauen zu einer vertraulichen Geburt beraten lassen. Etwa 20 Prozent entschieden sich dafür. Im Rahmen einer vertraulichen Geburt werden Name und Adresse der Mutter beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt, aber bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss gehalten. Danach können die Kinder nach ihrer leiblichen Mutter forschen und erhalten die Angaben.

Rund 24 Prozent der Schwangeren entschieden sich den Angaben zufolge nach der Beratung, ihr Kind selbst großzuziehen. Knapp 14 Prozent der Frauen entschlossen sich, es zu einer regulären Adoption freizugeben, also als leibliche Mutter nicht anonym zu bleiben. Bei rund einem Fünftel der Frauen ist nicht bekannt, wie sie sich entschieden haben. Knapp zwölf Prozent trieben das Ungeborene ab.

Die Einführung der Möglichkeit einer vertraulichen Geburt ist Teil eines Gesetzes, mit dem 2014 die Hilfsangebote für schwangere Frauen in Notlagen insgesamt verbessert wurden. Ein Ziel war, anonym geborenen Kindern die Möglichkeit zu geben zu erfahren, wer ihre Mutter ist. Für jeden Menschen sei es wichtig zu wissen, woher sie oder er komme, sagte Giffey. Kinder, die in einer Babyklappe abgegeben worden sind, hätten dazu aber keine Möglichkeit - und die schwangeren Frauen hätten keine Hilfe und medizinische Begleitung in einer "absoluten Ausnahmesituation", sagte Giffey.