Umfrage: Heimatbegriff im Umbruch - Nationalgefühl weniger wichtig

epd-bild / Werner Krüper Der Heimatbegriff ist offenbar im Wandel: Unter Heimat verstehen die Deutschen einer Umfrage zufolge vor allem Familie und Freunde.

15.05.2019

Kultur, Religion und Grenzen seien für ihren Heimatbegriff nicht so bedeutend, heißt es in der "Vermächtnis-Studie" der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Danach nennen nur 59 Prozent Deutschland als Land als Heimat, für 49 Prozent ist es eine Kultur, die sie mit anderen Menschen teilen. Ganz am Ende der Liste steht eine gemeinsame Religion. Nur bei 18 Prozent der Menschen löst sie Heimatgefühle aus.

89 Prozent der Deutschen sagten in der Studie, dass ihnen Heimat sehr wichtig sei, wie es weiter hieß. Dabei würden 88 Prozent an einen Ort denken, an dem sie sich geborgen fühlen. 80 Prozent empfinden der Umfrage zufolge ihre Familie oder den Lebenspartner als Heimat, 68 Prozent Freunde und Bekannte. "Für 64 Prozent ist Heimat mit Erinnerung aus Kindheit und Jugend verbunden", hieß es.

Soziale Aspekte

Die "Vermächtnis-Studie" zeige in beeindruckender Weise, "wie Heimat in unserer Gesellschaft gesehen wird", wird der Sozialforscher Jacob Steinwede vom Infas-Institut zitiert, das gemeinsam mit der "Zeit" und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) die "Vermächtnis-Studie" ausgeführt und finanziert hat. "Heimat ist für die Menschen in Deutschland vornehmlich durch die unmittelbare soziale Umgebung, durch menschliche Beziehungen geprägt." Es gehe um soziale Aspekte und die emotionale Ebene.

Ganz klar zeige die Studie auch, was Heimat für die Deutschen nicht bedeute, fügte der Infas-Wissenschaftler Steinwede hinzu: "Es ist keine Leitidee nationaler Identität damit verbunden." So unterschieden sich die Ansichten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund nicht wesentlich. So gibt es etwa für die Aussage "Deutschland, mein Land" lediglich acht Prozentpunkte Unterschied.

Bemerkenswert sei zudem, dass Religion auch bei Personen mit Migrationshintergrund mit 22 Prozent den geringsten Stellenwert beim Heimatverständnis hat. Die größte Differenz bestehe bei der Frage, wie wichtig die Muttersprache ist. Sie ist für Personen mit Migrationshintergrund für das eigene Heimatverständnis weniger relevant. Für die "Vermächtnis-Studie" wurden den Angaben zufolge von Mai bis September 2018 insgesamt 2.070 Menschen in Deutschland in Einzelinterviews befragt.