Trauer um früheren «Stern»-Chefredakteur Michael Jürgs

05.07.2019

Journalistenkollegen haben den verstorbenen Publizisten Michael Jürgs gewürdigt. "Seine kluge, funkelnde Streitlust wird gerade in diesen Zeiten schmerzlich fehlen", erklärte Nikolaus Blome, Politikchef der "Bild"-Zeitung, in einem vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf Twitter verbreiteten Statement. Der Investigativjournalist Hans Leyendecker erklärte in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (online), Jürgs habe den "schärfsten Blick für alles Verlogene, Lächerliche" gehabt.

Der hamburgische Kultur- und Mediensenator Carsten Brosda (SPD) würdigte den früheren "Stern"-Chefredakteur als "Monolithen des klassischen Journalismus". "Wir bräuchten gerade jetzt mehr mutige Freigeister wie ihn", schrieb Brosda auf Twitter.

Jürgs war in der Nacht zum Freitag im Alter von 74 Jahren in Hamburg gestorben. Noch in der vergangenen Woche hatte der Publizist den Theodor-Wolff-Preis der deutschen Zeitungen für sein Lebenswerk erhalten, den er wegen seiner schweren Krebserkrankung jedoch nicht mehr persönlich entgegennehmen konnte. Ausgezeichnet hatte Jürgs eine Jury unter Vorsitz von Blome.

Jürgs war an Krebs erkrankt

"Die Umschreibung unseres geliebten Berufes als vierte Macht war mir stets zu martialisch", hatte Jürgs in einer Dankesbotschaft zum Theodor-Wolff-Preis mit Blick auf den Journalismus erklärt: "Jetzt aber, in Zeiten, da Barbaren unsere Zivilgesellschaft attackieren und vor Mord nicht zurückschrecken, ist es der passende Begriff."

Jürgs veröffentlichte auch mehrere Biografien, etwa über die Schauspiel-Ikone Romy Schneider, den Schriftsteller und Künstler Günter Grass und den Verleger Axel Springer. Er verfasste auch zahlreiche Sachbücher und war Autor von Fernsehdokumentationen. 2018 teilte Jürgs mit, dass er schwer krebskrank sei.

Er wurde am 4. Mai 1945 im baden-württembergischen Ellwangen geboren. Seine journalistische Laufbahn begann er in den 1960er Jahren bei der Münchner "Abendzeitung". 1976 wechselte er zum "Stern", wo er Ressortleiter Unterhaltung wurde und von 1986 bis 1990 Chefredakteur war. Nach einem Streit über einen skeptischen Leitartikel zur deutschen Wiedervereinigung wurde Jürgs 1990 beim "Stern" abgelöst. Anschließend ging er als Chefredakteur zur Zeitschrift "Tempo", die er 1994 wieder verließ. Von 1992 bis 1994 moderierte er zudem die "NDR-Talkshow".