Fiebern um den Titel

epd-bild/Wolfgang Schmidt Das Erzgebirge hat eine jahrhundertelange Bergbautradition. Als Kulturlandschaft hat sich die deutsch-tschechische Montanregion um den Titel Weltkulturerbe beworben. Die Entscheidung wird am Wochenende in Baku erwartet.

05.07.2019

Es ist eine Riesenchance für das Erzgebirge: Die Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe würde die deutsch-tschechische Region bekannter und für Touristen attraktiver machen. Schon jetzt gibt es positive Effekte, es fließen zum Beispiel mehr Fördermittel, wie Helmuth Albrecht von der Technischen Universität Freiberg sagt. Der Historiker hat die Bewerbung der Montanregion Erzgebirge/Krusnohori wesentlich mit vorangebracht. Am Samstag oder Sonntag soll auf der Unesco-Jahrestagung im aserbaidschanischen Baku über den Antrag entschieden werden.

"Angefangen haben wir vor 19 Jahren", erinnert sich Albrecht, der in Freiberg Professor für Technikgeschichte und Industriearchäologie ist. Sachsen hatte die Erzgebirgsregion 1998 auf die offizielle deutsche Vorschlagsliste gesetzt. Schließlich konnte 2001 eine Machbarkeitsstudie vorgelegt werden. Aber diese ist laut Albrecht dann erst mal in der Schublade verschwunden.

"Wir mussten beweisen, dass das Erzgebirge den Titel will"

Die Landesregierung sei zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so überzeugt gewesen. "Wir mussten beweisen, dass das Erzgebirge den Titel will", sagt Albrecht. Dafür wurde 2003 schließlich der Förderverein Montanregion Erzgebirge gegründet. Schnell sei entschieden worden, das Projekt grenzübergreifend mit dem Nachbarland Tschechien anzugehen. 2007 war dafür ein Konzept erstellt.

2014 war der erste offizielle Welterbeantrag für die Kulturlandschaft fertig. Doch Experten rieten zur Entschlackung der mit 79 Bestandteilen umfangreichen Bewerbung. Übriggeblieben sind jetzt 22 Einzelteile, 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite, die sich ausschließlich auf die Tradition des Erzbergbaus beziehen. Sie alle hoffen darauf, am Wochenende als Teil des Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge/Krusnohori anerkannt zu werden.

Fachliche Begutachtung schon erfolgreich bestanden

Der sächsische Ministerpräsident zeigt sich zuversichtlich. "Der Bergbau im Erzgebirge war über Jahrhunderte die Grundlage des Wohlstandes in Sachsen und ist ein Teil unserer Identität", sagt Michael Kretschmer. "Das bringt die Bewerbung der Montanregion Erzgebirge auf exzellente Art zum Ausdruck." Der CDU-Politiker will mit einer Delegation aus dem Erzgebirge am Wochenende auf der Welterbetagung in Baku dabei sein.

Es sei zu 99 Prozent sicher, dass die deutsch-tschechische Bergbauregion in die Welterbeliste eingetragen wird, sagt Albrecht. Denn die fachliche Begutachtung des Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS habe der Antrag schon erfolgreich bestanden. Das sei ein gutes Zeichen. "Ich bin ziemlich ruhig", sagt Albrecht vor seinem Abflug nach Baku. Er freue sich, dass die Entscheidung nun anstehe - nach so langer Zeit.

"Tolle Kooperation" zwischen den Städten

Zu den 17 sächsischen Teilen der Welterbe-Bewerbung gehören die Bergbaulandschaften Buchholz und Eibenstock, die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald sowie die Historischen Altstädte in Schneeberg, Annaberg-Buchholz, Freiberg und Marienberg - einschließlich der großen Hallenkirchen. Die Denkmale, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren den sächsisch-böhmischen Erzbergbau in den vergangenen rund 800 Jahren.

"Wir haben unser Möglichstes getan", sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, Matthias Lißke, vor der Entscheidung in Baku. Zugleich betont er die "tolle Kooperation" zwischen den immerhin mehr als 30 Städten und drei Landkreisen. "Die Bewerbung hat uns zusammengeschweißt", sagt er. Das soll sich auch nach der gewünschten Anerkennung fortsetzen. "Wir sind nur Welterbe, wenn wir zusammenbleiben", sagt er.

In diesem Jahr mehr als 35 Stätten nominiert

Für die Liste des Weltkulturerbes sind in diesem Jahr mehr als 35 Stätten nominiert, unter anderem Babylon im Irak, die historische Königsstadt Bagan in Myanmar, der Vatnajökull-Nationalpark in Island, die Kulturlandschaft Budj Bim in Australien sowie historische Stätten der Eisenverhüttung in Burkina Faso. Über den Eintrag entscheidet das Welterbekomitee, dem 21 Vertreter - die regelmäßig rotieren - von 193 Staaten angehören.

Deutschland ist 2019 an drei Bewerbungen beteiligt. Neben dem Erzgebirge machen sich das Augsburger Wassermanagement-System und der Donaulimes - ein gemeinsamer Antrag von Deutschland, Österreich und der Slowakei - Hoffnung auf den Titel.