Cholera fordert im Jemen weitere Todesopfer

09.07.2019

Die Cholera-Epidemie im Kriegsland Jemen wütet weiter. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres starben bereits 1.210 Menschen an der Infektionskrankheit, wie das Regionalbüro für den Nahen Osten der Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag in Kairo mitteilte. Die Verdachtsfälle lagen bei über 823.000, davon 23 Prozent Kinder unter fünf Jahren. Laut WHO sind mittlerweile 22 der 23 jemenitischen Provinzen betroffen.

Unter den Todesopfern waren in den ersten sechs Monaten auch mindestens 193 Kinder, 203.000 Kinder unter 15 Jahren könnten sich schon infiziert haben, teilte die Hilfsorganisation Save the Children parallel mit. Zwar sei die Zahl der Verdachtsfälle seit einigen Wochen auf ähnlichem Niveau. Aber "wir befürchten einen starken Anstieg aufgrund der Regenfälle und Überschwemmungen", sagte Tarner Kirolos, Länderdirektor der Organisation im Jemen.

Unterernährte Kinder besonders anfällig

Der Konflikt im Jemen hat einen Großteil der Infrastruktur für sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen beeinträchtigt. 9,2 Millionen Kinder haben laut Save the Children im Jemen derzeit keinen angemessenen Zugang zu sauberem Wasser. Zudem seien Abwasserbeseitigung und Müllabfuhr eingeschränkt. Die mangelnde Hygiene führt in vielen Regionen zur Verbreitung der Cholera. Besonders anfällig sind unterernährte Kinder. Laut Save the Children sterben sie drei Mal häufiger an Cholera als Erwachsene.

Im Jemen herrscht nach Einschätzung der UN die schlimmste humanitäre Krise weltweit. Die Menschen leiden unter Gewalt, Hunger und Krankheiten. Das Welternährungsprogramm (WFP) versorgt dort nach eigenen Angaben zwölf Millionen Menschen mit Lebensmitteln. Die international anerkannte Regierung kämpft mit Hilfe einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition gegen Huthi-Rebellen, die aus dem Iran Unterstützung erhalten.

Nach systematischen Diebstählen von Nahrungsmitteln stellte das WFP Ende Juni seine Hilfslieferungen für die Hauptstadt Sanaa vorläufig ein. Programme für unterernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter wollte das WFP aber fortsetzen.