Medienbischof Jung: Merkels Privatsphäre ist zu schützen

epd-bild / Thomas Lohnes Der evangelische Medienbischof Volker Jung mahnt Zurückhaltung in der journalistischen Berichterstattung über die Gesundheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an.

11.07.2019

"Die Öffentlichkeit hat kein Recht, umfassend über den Gesundheitszustand von Amtspersonen informiert zu werden", sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Darmstadt. Merkel habe nach ihrem Zitteranfall am Mittwoch erklärt, dass es keinen Grund zu weitergehender Sorge gebe. "Das ist klar und auch erst einmal so zu akzeptieren", sagte Jung.

Die eigene Gesundheit gehöre zentral zur Privatsphäre eines Menschen, das hätten Journalisten zu akzeptieren. Die Bundeskanzlerin habe offenbar die drei öffentlichen Zitteranfälle in jüngster Zeit jeweils schnell überwunden. "Wer ähnliche Situationen erlebt hat, weiß, dass dies schwierige Erfahrungen sind, für die es in der Tat einige Zeit braucht, um dies zu bewältigen", sagte Jung, der im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Medien zuständig ist.

"Die Bundeskanzlerin ist sehr verantwortungsbewusst"

Der Theologe räumte ein, dass eine Berichterstattung geboten ist, weil es Filmaufnahmen von den Zitteranfällen Merkels gibt. "Unangemessen finde ich, wenn damit sofort grundsätzliche Fragen zur Leistungsfähigkeit und die politische Zukunft verbunden werden", sagt Jung. Solche Fragen würden seines Erachtens übrigens bei Frauen schneller als bei Männern gestellt. Als Vergleich führte Jung die Medienberichterstattung über die Hautkrebserkrankung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) an.

Der Kirchenpräsident sagte, es gehöre zur Verantwortung in jedem öffentlichen Amt, angemessen zu reagieren, wenn man selbst das Amt nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausführen kann: "Die Bundeskanzlerin ist sehr verantwortungsbewusst und hat dies sicher im Blick."