Lavendel statt Schotter

epd-bild / Dieter Sell Pflanzen, die auch Trockenheit vertragen, Kompost statt Kunstdünger und geschickt gießen: Tipps für angepasstes und umweltfreundliches Gärtnern in Zeiten des Klimawandels.

13.08.2019

Regen macht sich rarer, die Temperaturen haben auch in diesem Sommer neue Hitzerekorde aufgestellt. In Zeiten des Klimawandels ändert sich auch für Gartenbesitzer einiges. Vor allem müssen sie sich ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt und Klima bewusstwerden: "Alle deutschen Vorgärten zusammen entsprechen der Fläche aller deutschen Naturschutzgebiete", sagt Kathrin Kaltwaßer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). "Wer sich das vor Augen führt, der weiß, wie wichtig es ist, im eigenen Garten naturnah und umweltfreundlich zu arbeiten."

Ein Kompost ist klimafreundlicher als synthetisch hergestellter Dünger, der energieaufwendig produziert wird. Zuviel Stickstoff ist ohnehin nicht empfehlenswert für den Boden, weil er Lachgas freisetzt, das noch klimaaktiver wirkt als Kohlendioxid.

Gartenabfälle sollten also nicht verbrannt, sondern kompostiert werden, empfiehlt der Nabu, zumal Kompost anstelle von Torf verwendet werden kann. Bei der Torfgewinnung wird nämlich Kohlendioxid freigesetzt, die Moore als Lebensräume werden zerstört.

Fetthenne und Lavendel mögen trockenen Boden

Und Gartenbesitzer müssen lernen, welche Pflanzen mit Trockenheit und Hitze gut zurechtkommen. Das müssen nicht gleich Kakteen sein. Auch Fetthenne, Katzenminze und Lavendel bevorzugen trockenen Boden und sind gleichzeitig Bienen- und Schmetterlingsweiden. Vermeintlich pflegearme Schottergärten hingegen heizen das Mikroklima nur noch mehr auf.

Der Nabu empfiehlt trockenresistente, an den Standort angepasste Pflanzen. Dazu gehören auch Arten, die für südfranzösische Strauchheide und Mittelmeer-Macchia typisch sind. Das sind etwa Ginster und Zistrosen, Rosmarin und Schopflavendel - Pflanzen, die sich entweder in filzige, ledrige, mit Wachs überzogene Blätter hüllen oder durch Ausscheidung ätherischer Öle mit einer Dufthülle umgeben, um ihre Wasserverdunstung zu senken.

Neben den mediterranen Halbsträuchern gibt es auch Bäume, die mit weniger Wasser auskommen, Tiefwurzler wie die Kulturbirne etwa. Ihren großen Auftritt haben jetzt aber die Maulbeerbäume.

Weißdorn-Früchte schmecken den Vögeln

Vor allem die Weiße Maulbeere kann mit "extrem trockenen bis frischen Böden" gut leben, weiß die Agrarwissenschaftlerin und Fachautorin Brunhilde Bross-Burkhardt aus dem württembergischen Langenburg. Auch die Schwarze Maulbeere liebt es "trocken bis frisch", ebenso wie Apfeldorn und Eingriffliger Weißdorn.

Maulbeeren werden bis zu 15 Meter hoch und sind damit nicht für kleine Gärten geeignet. Es gibt aber auch Zwergzüchtungen der Schwarzen Maulbeere, die nur drei Meter hoch wachsen.

Die Früchte des Weißdorns wiederum schmecken den Vögeln. Überhaupt gilt der kleine Baum oder große Strauch als "Vogelschutzgehölz", weil er mit seinen Dornen Fressfeinde fernhält. Wer Weißdorn pflanzt, handelt nicht nur klimaflexibel, sondern dient auch dem Artenschutz.

Aber auch diese Bäume brauchen zunächst Wasser um anzuwachsen. "Gut einwässern und den Boden mit natürlichen Materialien eindecken", rät Bross-Burkhardt. "In trockenen Sommern ist das Mulchen besonders wichtig, weil es die Feuchtigkeit im Boden hält." Blätter von Brennnesseln eignen sich gut dafür. Auch für den Kompost sind sie wertvoll mit ihren Inhaltsstoffen. "Und Spinat verrottet sehr gut, ist auch ein gutes Futter für Regenwürmer."

Wasser sparen wird lebensnotwendig

Wasser sparen wird allmählich lebensnotwendig für Pflanze und Mensch. Regentonnen helfen nur, wenn es in sie hinein regnet. Wenn also doch mit dem Schlauch gegossen werden muss, dann sollte man nur zwei- bis dreimal die Woche durchdringend wässern, anstatt täglich drüber zu spritzen. "Das schadet eher, weil das oberflächliche Benetzen den Befall mit Pilzkrankheiten begünstigt", erläutert Bross-Burkhardt.

Ein vertrockneter Rasen schmerzt nur das Gärtner-Ego, denn er erholt sich nach dem nächsten Regenguss. Zu kurz sollte er auch nicht sein. "Motorrasenmäher stoßen klimaaktive Gase aus", warnt der Nabu. Lässt man den Rasen höher wachsen, können sich die Gräser wechselseitig beschatten.

Bunte Blumen ade? Nein, denn tief wurzelnde Rosen kommen mit wenig Wasser zurecht. Duftnesseln, Spanisches Gänseblümchen, Goldmohn und Woll-Ziest sind stachellose Alternativen, Hortensien dagegen durstig.

Wasserspeichernde Sukkulenten sind angesagt, auch Disteln, die "Staude des Jahres", und Karden mit ihren stacheligen Köpfen. Grün-weiß marmorierte Mariendisteln sind nicht nur eine Augenweide als Ziergewächs, sie werden auch gern von Insekten besucht. Und die stolze "Weberkarde" blüht im Sommer für die Hummeln und nährt dann im Herbst und Winter die Distelfinken.