Bundesbeauftragter fordert mehr barrierefreien Wohnraum

epd-bild/Meike Boeschemeyer "Nur barrierefreier Wohnraum verdient den Namen sozialer Wohnungsbau", sagt der Behindertenbeauftrage der Bundesregierung. Er fordert, Barrierefreiheit zu einem fest verankerten Qualitätsmerkmal im Neubau zu machen.

05.09.2019

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, hat dazu aufgerufen, beim Bau sozialer Wohnungen immer die Bedürfnisse behinderter Menschen zu berücksichtigen. Weiterhin werde nur ein Teil von neugebauten Wohnungen barrierefrei und damit behindertengerecht gebaut, kritisierte Dusel am Mittwochabend in Mülheim an der Ruhr. Notwendig sei dagegen, Barrierefreiheit zu einem fest verankerten Qualitätsmerkmal im Wohnungsneubau zu machen. "Nur barrierefreier Wohnraum verdient den Namen sozialer Wohnungsbau", betonte Dusel.

Kritik an Unternehmen

Kritik übte Dusel auch an einer mangelnden Bereitschaft von Unternehmen, Behinderte einzustellen. Ein Viertel der Firmen, die mindestens einen Behinderten beschäftigen müssten, verzichteten darauf und zahlten lieber die dann fällige Ausgleichsabgabe, sagte er. Eine Beschäftigungspflicht besteht für alle Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern. Als Folge von zu wenig Stellenangeboten seien Menschen mit Behinderung im Schnitt häufiger und länger arbeitslos. Dusel sprach sich daher für eine Verdoppelung der Ausgleichsabgabe aus.

"Demokratie und Inklusion sind zwei Seiten der gleichen Medaille, weil es bei der Inklusion letztendlich um die Umsetzung von fundamentalen Grundrechten geht", machte der Behindertenbeauftragte deutlich. Das Thema Teilhabe werde immer noch zu sehr aus der Sicht der Fürsorge diskutiert. Gleichwohl sei Deutschland auf dem Weg zu einer Gesellschaft mit mehr Teilhabe schon "einige Meilen gelaufen", sagte er. Als Fortschritte hob Dusel etwa das 2017 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz hervor sowie das Behindertengleichstellungsgesetz und das Diskriminierungsverbot.