Umarmt, geächtet, abgesetzt: Robert Mugabe ist tot

epd-bild / Norbert Neetz Als Befreier und Unabhängigkeitskämpfer wurde Robert Mugabe einst gefeiert. In fast vier Jahrzehnten an der Macht verlor der einstige simbabwische Staatschef jedoch seinen guten Ruf und wurde zum Sinnbild eines afrikanischen Despoten.

06.09.2019

Robert Mugabe liebte große Sprüche. Er sei bereits mehrere Male gestorben, sagte der Präsident von Simbabwe in einer Radioansprache zu seinem 88. Geburtstag 2012. Damit habe er selbst Christus geschlagen: "Der ist nur einmal gestorben und auferstanden." Seit Jahren hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, Mugabe sei tot, doch dann war der langjährige Staatschef wieder auf der Bühne der afrikanischen Politik erschienen. Nun ist Mugabe wirklich im Alter von 95 Jahren gestorben. Das gab sein Nachfolger Emmerson Mnangagwa am Freitag bekannt.

Robert Gabriel Mugabe, am 21. Februar 1924 in der Missionsstation Kutama als Sohn eines Tischlers geboren und zum Lehrer ausgebildet, übernahm die Macht in Simbabwe 1980, als die einstige britische Kolonie Südrhodesien unabhängig wurde. Zuvor hatte er seit den 60er Jahren für die Befreiung des Landes gekämpft. Er wurde verhaftet und verbrachte mehr als zehn Jahre im Internierungslager.

Einst gefeiert als Mann des Ausgleichs

Zu Beginn seiner Regierungszeit, zunächst als Ministerpräsident und ab 1987 als Präsident, propagierte Mugabe die Versöhnung zwischen weißen und schwarzen Bürgern in Simbabwe. Er förderte den Wiederaufbau - und wurde gefeiert als Politiker der Zukunft und als Mann des Ausgleichs, der bei westlichen Staaten beliebt war.

"Simbabwe tauchte jetzt für die Welt als eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte am Horizont auf", schrieb der langjährige Oppositionelle Morgan Tsvangirai in seinen Memoiren. Aber schon damals habe gegolten: "Mugabe war ein skrupelloser Führer." Die Welt übersah, dass ihr Star bereits 1982 mit brutaler Gewalt gegen die Anhänger seines Rivalen Joshua Nkomo im Matabeleland vorging. Schätzungen zufolge wurden dabei 20.000 Menschen getötet.

Wandlung zum Despoten

Im Lauf der Zeit zeigte Mugabe immer mehr das Gesicht eines Despoten, der rücksichtslos Widersacher aus dem Weg räumte und sich mit allen Mitteln an die Macht klammerte. Um die Jahrtausendwende geriet Simbabwe vollends ins Schlingern. Mugabes Leute schikanierten die Opposition, Schlägertrupps wurden auf die Straße geschickt, Aktivisten verhaftet. Oppositionsführer Tsvangirai wurde verletzt und des Hochverrats angeklagt. Tausende militante Anhänger seiner Zanu-PF und Veteranen des Unabhängigkeitskampfes besetzten wegen einer umstrittenen Landreform Bauernhöfe und vertrieben rund 4.000 weiße Farmer.

Auch die Fronten im Verhältnis zum Ausland verhärteten sich. Mugabe ruinierte die Wirtschaft des Landes, führte Simbabwe in die Isolation - und erntete Sanktionen der internationalen Gemeinschaft. Auch eine unter dem Druck des Auslands gebildete Koalition mit der Oppositionspartei "Bewegung für demokratischen Wandel" (MDC) brachte keinen Ausweg aus der politischen und wirtschaftlichen Krise.

Verpokert in der Nachfolgefrage

Trotz Kritik an der verheerenden Menschenrechtsbilanz und internen Machtkämpfen gelang es Mugabe, an der Macht zu bleiben, wobei die Manipulationsvorwürfe bei Wahlen immer lauter wurden. Nur Gott könne ihn aus seinem Amt abrufen, sagte Mugabe. Er habe den Auftrag, seinem Land zu dienen bis zum Ende.

Doch 2017 verkalkulierte sich der damals 93-Jährige Präsident im Poker um seine Nachfolge, für die seine etwa 40 Jahre jüngere Ehefrau Grace Ambitionen zeigte. Das behagte seinen alten Weggefährten aber nicht. Das Militär entmachtete Mugabe, und bevor das Parlament ihn absetzen konnte, trat er nach 37 Jahren an der Macht zurück.

Die Ära Mugabe war vorbei. Doch von den Folgen seiner jahrelangen Misswirtschaft hat sich das Land noch immer nicht erholt. Mugabe hinterließ ein durch und durch korruptes System. In der einstigen Kornkammer haben die meisten Menschen heute keine geregelte Arbeit, und viele hungern. An Mugabes Erbe haben die 17 Millionen Simbabwer noch schwer zu tragen.