Sender nennt «Klassikwelle» als Ziel für HR2-Kultur irreführend

epd-bild/Heike Lyding Die Proteste gegen die Umgestaltung des Kultursenders HR2 reißen nicht ab. Nun trafen sich mehr als 300 Kritiker in der Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Der HR beteuerte, es werde alles halb so schlimm.

02.10.2019

Der Hessische Rundfunk (HR) will seinen Kultursender HR2 nicht zu einer reinen "Klassikwelle" umbauen. Der Begriff "Klassikwelle", den der Sender selbst verwendet habe, sei irreführend, sagte der leitende HR-Redakteur Alf Mentzer am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt am Main. Aufgrund der Ergebnisse der Zielgruppenforschung werde man jedoch kulturell hintergründige Wortbeiträge auf HR2-Kultur künftig nicht mehr mit Pop und Jazz, sondern nur noch mit Klassik verknüpfen. Der HR versicherte angesichts des anhaltenden Protests gegen die Umgestaltung des Kultursenders am Mittwoch, die gesamte Kulturberichterstattung solle gestärkt werden.

Wortbeiträge sollen weiter Platz haben

Mentzer betonte, dass auch künftig Wortbeiträge auf der Welle ihren Platz hätten. Hörspiele, Lesungen und Features blieben bei HR2-Kultur erhalten. Auch die populäre Sendung "Der Tag" werde weitergeführt, möglicherweise aber auf anderen Ausspielwegen.

Die Geschäftsleitung des HR hatte im Juli überraschend mitgeteilt, dass HR2-Kultur in eine "Klassikwelle" für Hessen umgewandelt werden solle. Wortinhalte zu Kulturthemen sollten der Ankündigung zufolge künftig vor allem über die Informationswelle HR-Info, im Internet auf "Hessenschau.de" sowie in der ARD Audiothek gesendet werden, um jüngere kulturinteressierte Zielgruppen besser zu erreichen.

Die Pläne hatten scharfen öffentlichen Protest ausgelöst. Hessische Kulturschaffende gründeten die Initiative "HR2-Wort" für den Erhalt von HR2-Kultur in der bisherigen Form. Die Initiative war Veranstalter der Diskussion in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Dienstag.

Resolution von Hörerinnen und Hörern

Bei der Veranstaltung verlas die Schauspielerin Anke Sevenich am Ende eine Resolution, die mit großer Mehrheit von den mehr als 300 Besuchern verabschiedet wurde. Darin verurteilten die "beitragspflichtigen Hörerinnen und Hörer" die Absicht, "das Kulturangebot des HR in eine linear ausgestrahlte Klassikwelle und eine vorrangig über Online-Kanäle laufende Kulturinformation zu spalten". Es sei untragbar, bei der Durchsetzung der Reformpläne "eine Generation gegen die andere auszuspielen". Aus diesem Grund appelliere man an die Kontrollgremien des HR, die fundamentalen Prinzipien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verteidigen.

Zuvor hatten mehrere Redner - die Buchhändlerin Barbara Determann, der Theatermacher Michael Herl und der Krimiautor Matthias Altenburg - ihre tiefe Verbundenheit mit der Kulturwelle zum Ausdruck gebracht. Der Journalist Michael Ridder von Evangelischen Pressedienst (epd) verwies auf die Relevanz nachhaltiger Kulturberichterstattung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Debatte um den Rundfunkbeitrag und des Kampfes um die politische Deutungshoheit in Medien.

Der HR äußerte sich am Mittwoch zu der Kritik an seinen Plänen. Man freue sich über die Wertschätzung für die aktuelle Programmgestaltung von HR2-Kultur und wisse zu schätzen, dass Kulturinteressierte sich für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk einsetzten, erklärte die Geschäftsleitung und versicherte: "Das Radioprogramm HR2 wird mit einem veränderten musikalischen Schwerpunkt weiterhin ein qualitätsvolles Angebot sein mit Wort und Musik und attraktiven Inhalten aus und für Hessen."

Die Neuausrichtung von HR2-Kultur werde Teil einer Umstrukturierung aller Programmangebote des HR sein, teilte der Sender weiter mit. Die Nutzergewohnheiten besonders jüngerer, aber zunehmend auch älterer Menschen veränderten sich. Immer mehr Hörer erwarteten, auch digitale Angebote zu finden, die sie jederzeit nutzen können, so wie sie dies von Video-On-Demand-Angeboten und Streamingdiensten gewöhnt seien. Der Anspruch des HR als öffentlich-rechtlicher Rundfunk müsse es sein, auch künftig für alle Menschen gesellschaftlich relevant zu sein.

Den Angaben zufolge hat der Sender in den vergangenen Wochen und Monaten einen Gesprächsprozess gestartet. Man habe Gespräche mit unterschiedlichen Gruppen geführt, um zu verstehen, wie diese Kultur verstehen und vermittelt bekommen möchten.