Countdown zum Friedensnobelpreis 2019: Kleiner Kreis von Favoriten

epd-bild / Christian Ditsch Für den Friedensnobelpreis werden in den Wettbüros diese Jahr die Klimaaktivistin Greta Thunberg, der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed und die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern hoch gehandelt.

04.10.2019

Vor der Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreises am 11. Oktober zeichnet sich ein kleiner Kreis von Favoriten ab. In vielen Wettbüros gilt die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg als aussichtsreichste Anwärterin auf die Auszeichnung. Im September wurde der jungen Schwedin zusammen mit drei Menschenrechtlern aus Nordafrika, China und Brasilien bereits der Alternative Nobelpreis zuerkannt.

Laut dem Nobelkomitee in Oslo gingen für den Friedensnobelpreis dieses Jahr 301 Nominierungen ein, 223 für Persönlichkeiten und 78 für Organisationen. Das ist die bislang vierthöchste Zahl von Vorschlägen - nach dem Rekord von 376 im Jahr 2016.

Hoch gehandelt wird in den Wettbüros auch der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed. Der Politiker, der seit April 2018 im Amt ist, wird gelobt, weil er Frieden mit Äthiopiens früherem Erzfeind Eritrea schloss. Erst kürzlich wurde er mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Ardern bewies nach Anschlägen Führungsstärke

Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern wird ebenfalls als Anwärterin genannt: Sie bewies besonders nach den Bombenanschlägen im März auf zwei Moscheen in Christchurch Führungsstärke und bekundete trotz wachsender Islamfeindlichkeit demonstrativ ihre Anteilnahme für die Opfer. Unter den weiteren Kandidaten sind zum wiederholten Mal Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Papst Franziskus und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.  

Auch der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Henrik Urdal, hat wie jedes Jahr eine Liste mit Favoriten erstellt. Auf Platz eins stehen bei ihm drei junge Friedens- und Demokratieaktivisten: Die Libyerin Hadscher Scharief, die aus Somalia stammende Ilwad Elman sowie Nathan Law Kwun-chung aus Hongkong. Junge Menschen bestimmten zunehmend die Agenda für Themen, die für Frieden und Sicherheit sowohl lokal und als auch global von entscheidender Bedeutung seien, betonte Urdal.  

"Reporter ohne Grenzen" weiterer Top-Anwärter

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sowie das internationale Bündnis "Control Arms Coalition" sieht der Prio-Chef als weitere Top-Anwärter auf die renommierte Auszeichnung. Preiswürdig sind für ihn außerdem die Hilfsorganisation "International Rescue Committee" und ebenfalls Abiy Ahmed.  

Der Friedensnobelpreis wurde von dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896) gestiftet. Der Erfinder des Dynamits widmete die Ehrung Verdiensten um Völkerverständigung, Abrüstung und Frieden. Der Preis ist mit neun Millionen Kronen (derzeit etwa 832.000 Euro) dotiert. In der Geschichte der seit 1901 verliehenen Auszeichnung war eine Reihe von Preisträgern umstritten: In den vergangenen Jahren galt das besonders für US-Präsident Barack Obama 2009 und die EU 2012.  

Traditionell wird der Friedensnobelpreis am 10. Dezember in Oslo überreicht, dem Todestag Nobels. 2018 wurden die Jesidin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten geehrt.