Hilfsorganisation: Frauen in Kinofilmen meist Sexobjekte

epd-bild/Peter Juelich Kinofilme vermitteln weiterhin festgefügte Rollenbilder von Frauen und Männern, kritisiert Plan International. Außerdem reden Männer doppelt so viel wie Frauen, auch haben sie doppelt so viele Rollen. Allerdings sind Frauen viermal so oft nackt.

04.10.2019

Kinofilme vermitteln einer Untersuchung von Plan International zufolge weiter häufig festgefügte Rollenbilder von Frauen und Männern. Die weltweit erfolgreichsten Kinofilme enthielten die Botschaft, dass Männer in Führungspositionen gehörten und Frauen - selbst wenn sie als starke Persönlichkeiten gezeigt würden - meist Sexobjekte seien, erklärte die Kinderhilfsorganisation am Freitag in Hamburg. Im neuen Welt-Mädchenbericht "Schreib ihre Geschichte neu! Wie Filme und Stereotype in den Medien das Leben und die Ambitionen von Mädchen und jungen Frauen beeinflussen" hat das US-amerikanische Geena Davis Institut im Auftrag von Plan die 56 umsatzstärksten Filme aus 2018 in insgesamt 20 Ländern auf Gender-Stereotype untersucht.

Bedenklich sei, dass keine einzige Frau bei den Top-Filmen Regie geführt habe, so Plan International. Nur bei jedem zehnten Film war demnach eine Frau am Drehbuch beteiligt. Männer reden der Untersuchung zufolge doppelt so viel wie Frauen (67 Prozent zu 33 Prozent Redeanteil). Auch haben sie doppelt so viele Rollen in den untersuchten Filmen, nur etwa ein Drittel der Figuren (36 Prozent) waren Frauen. Allerdings sind die Frauen laut Geena Davis Institut viermal so oft nackt (zwei Prozent/ 0,5 Prozent) und doppelt so häufig halbnackt (15 Prozent/ acht Prozent) zu sehen. Als Führungspersönlichkeiten werden Frauen lediglich in 27 Prozent der Fälle dargestellt, Männer dagegen in 42 Prozent.

Mädchen und Frauen "erschreckend unterrepräsentiert"

"Um mehr Gleichberechtigung zu erreichen, brauchen wir ein Gütesiegel, das Filme auszeichnet, die sowohl Frauen als auch Männer in zeitgemäßen Rollen darstellen", sagte Plan-Geschäftsführerin Maike Röttger: "Der neue Bericht, den wir anlässlich des Welt-Mädchentages herausgeben, zeigt, wie erschreckend unterrepräsentiert Mädchen und Frauen in Filmen sind." Viel zu selten seien sie an Drehbuch, Produktion und Regie beteiligt. Das habe Auswirkungen auf das Verständnis von Gleichberechtigung bei Mädchen und jungen Frauen auf der ganzen Welt, die in den Filmen kaum positive Vorbilder für sich finden. "Die von uns befragten Mädchen wünschen sich starke weibliche Vorbilder auf der Leinwand", sagte Röttger. Der Welt-Mädchentag ist am 11. Oktober.

Untersucht wurden nach Angaben von Plan International jeweils die zehn Topfilme in insgesamt 20 Ländern. Die Filme waren Produktionen aus den USA, Indien und dem Spanisch sprechenden Raum. Das Geena Davis Institute on Gender in Media wurde 2004 von der Schauspielerin Geena Davis gegründet und untersucht regelmäßig den Einfluss von Medien auf Werte und Vorstellungen der Geschlechter. Es ist an die Mount St. Mary's Universität in Los Angeles angebunden.