Amazonas-Synode: Papst fordert Respekt vor indigener Kultur

epd-bild/Stefan Ehlert Papst Franziskus warnte zu Beginn der Amazonas-Synode im Vatikan vor "unternehmerischem Eifer, der vorgefertigte Konzepte durchsetzen will, um die Völker Amazoniens, ihre Geschichte und Kultur zu disziplinieren".

07.10.2019

Papst Franziskus hat zu Beginn der Amazonas-Synode im Vatikan zu Respekt vor den indigenen Völkern aufgerufen. In einer Ansprache an die rund 280 Teilnehmer erinnerte er am Montag daran, dass auch die Kirche in der Vergangenheit etwa in Indien und China mit einem Zentralismus gewirkt habe, der alles vereinheitlichen wollte. Bei der Amazonas-Synode geht es vorrangig um Umweltzerstörung, die Lage der Indigenen und Priestermangel in dem neun Länder umfassenden Gebiet.

Von den rund 180 Bischöfen, die an der Versammlung gemeinsam mit Ordensleuten und Experten teilnehmen, stammen 113 aus dem Amazonas-Gebiet. Als Symbol für Umweltschutz will der Vatikan nach Angaben des Generalsekretärs der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, als Ausgleich für CO2-Emissionen unter anderem durch die Flüge der Teilnehmer Bäume auf 50 Hektar Land im Amazonas-Gebiet pflanzen.

"Die Synode ist kein Parlament"

Zu Beginn der dreiwöchigen Bischofssynode unter dem Leitwort "Amazonien - Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie" warnte der Papst vor "unternehmerischem Eifer, der vorgefertigte Konzepte durchsetzen will, um die Völker Amazoniens, ihre Geschichte und Kultur sozusagen zu disziplinieren". Indigene Kulturen seien auch in seinem Heimatland Argentinien als "Barbaren" angesehen worden.

Vor dem Hintergrund von Umweltzerstörung und Ausbeutung im Amazonas-Gebiet sprach Franziskus sich jedoch gegen pragmatisches Handeln mit Programmen für soziale Entwicklung und Schutz der Kulturen aus. "Die Synode ist kein Parlament", betonte das Kirchenoberhaupt angesichts von Erwartungen, dass die Teilnehmer Reformen wie die im Arbeitspapier der Versammlung vorgeschlagenen Priesterweihen für verheiratete Männer als Reaktion auf den dortigen Priestermangel beschließe.

Rein beratender Charakter

Bischofssynoden im Vatikan haben rein beratenden Charakter. Auf der Grundlage des Abschlussdokuments wird der Papst ein nachsynodales Schreiben verfassen, in das er nach eigenem Ermessen Anregungen der dreiwöchigen Versammlung aufnehmen kann.

Zu den als Zuhörern eingeladenen Teilnehmern der Synode gehören auch 17 Vertreter der Ureinwohner. Aus Deutschland nehmen neben dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die in Peru lebende Theologin Birgit Weile sowie die Hauptgeschäftsführer der katholischen Hilfswerke Adveniat und Misereor, Michael Heinz und Pirmin Spiegel, teil. Als Experte will im Zusammenhang mit der Zerstörung des Regenwalds im Amazonas-Gebiet der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, nach Rom kommen.