Politik und Kirche betonen Verdienste Plauens im Herbst '89

epd-bild/Jens Schulze Vor den Großdemonstrationen in Leipzig oder Berlin war Plauen am 7. Oktober 1989 Schauplatz des ersten friedlichen Massenaufstands der DDR. Am 30. Jahrestag erwiesen daher einige namhafte Vertreter aus Politik und Kirche der Vogtlandstadt die Ehre.

08.10.2019

Altbundespräsident Joachim Gauck, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing haben die Verdienste Plauens um die friedliche Revolution 1989 gewürdigt. Bei einer Gedenkveranstaltung in der vogtländischen Stadt am Montagabend dankten sie den Akteuren von damals für ihren Mut. Gauck nahm im Anschluss auch an einer Diskussion in der Plauener Lutherkirche teil.

Plauen war am 7. Oktober 1989 Schauplatz der ersten regionalen Massendemonstration gegen das DDR-Regime mit 15.000 Teilnehmern gewesen. Zwei Tage später fand in Leipzig die heute als entscheidend geltende Montagsdemonstration mit rund 70.000 Menschen statt.

"Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung"

Gauck erklärte, so sehr aus heutiger Sicht etwa dem damaligen sowjetischen Machthaber Michail Gorbatschow zu danken sei, "wissen wir auch, dass ohne die Menschen in Plauen und an anderen Orten nichts passiert wäre". Er verspüre größten Dank gegenüber denjenigen, die damals ihre Angst überwunden hätten. "Viele sind ermutigt worden vom Mut der Plauener", betonte der 79-Jährige. Heute gelte es, das damals gewonnene Selbstbewusstsein, Bürger zu sein, immer wieder neu umzusetzen. "Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung", erklärte Gauck.

Kretschmer sagte, die friedliche Revolution sei "mit Sicherheit der größte Glücksmoment gewesen, den wir erleben durften in unserer Geschichte". Rentzing betonte, er wolle all jenen "Respekt zollen, die damals mutig genug waren, der autoritären Staatsmacht zu widerstehen". Ihr Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und vor allem für Frieden seien bewunderungswürdig gewesen, betonte der Landesbischof: "Nur aus dem Frieden heraus kann wahrhaft Gutes erwachsen."

Angriffe auf Demokratie kein Kavaliersdelikt

Bei der Debatte in der Lutherkirche betonten die Teilnehmer die Bedeutung des 1989 Geschafften in der Gegenwart. Gauck sagte mit Blick auf undemokratische Tendenzen von rechts, es gehöre dazu, "bei aller Friedfertigkeit" Angriffe auf die Grundfesten der Demokratie nicht als Kavaliersdelikt zu betrachten.

Jeder Aufbruch in neue Freiheitsräume sei auch begleitet von der Furcht vor den neuen Freiheiten, sagte der Pfarrer und frühere DDR-Bürgerrechtler. Daher müsse der "Aufbruch des Einzelnen aus der Angst ein Dauerprozess" sein, den jede Generation für sich neu zu entdecken habe. "Diese Erinnerung an 1989 ist es, die zukunftsträchtig ist", betonte Gauck.

Überwindung der Angst

Der langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete der Grünen, Werner Schulz, sagte, die DDR sei "eben keine demokratische Republik" gewesen, sondern "ein demagogisches Diktaturregime". Heute werde von einer DDR geschwärmt, "wie ich sie nicht erlebt habe und wie es sie nicht gab", fügte er hinzu. Schulz würdigte auch die Rolle der Kirchen. "Ich glaube, dass es auch eine Art protestantische Revolution war", erklärte er. Die Kirchen seien "das Basislager der friedlichen Revolution" gewesen: "Wer Angst hatte, konnte sie dort überwinden."

Die Freiheit, in der Demokratie zu leben, müsse verteidigt werden, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt: "Die Freiheit, frei zu sein, ist beispiellos." Die Plauener hätten vor 30 Jahren viele Menschen ermutigt, fügte sie an und betonte: "Die Überwindung der Angst war der eigentlich revolutionäre Akt."