ORF-Journalist Wolf: Pressearbeit wird zunehmend delegitimiert

08.10.2019

ORF-Journalist Armin Wolf warnt vor einem wachsenden Glaubwürdigkeitsverlust klassischer Medien. Die größte Bedrohung für die Pressefreiheit in westlichen Staaten bestehe darin, "dass immer mehr versucht wird, unsere Arbeit zu delegitimieren", sagte Wolf am Dienstag in Leipzig.

Am Abend sollte Wolf dort gemeinsam mit dem ostdeutschen Reporterteam Arndt Ginzel und Gerald Gerber mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien 2019 ausgezeichnet werden. Er wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergeben und ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert.

"Eklatante Bedrohung unserer Arbeit"

Wolf sagte, wenn viele US-Amerikaner Donald Trump mehr glaubten als den Medien, obwohl der Präsident nachweislich lüge, dann sei dies "eine ganz eklatante Bedrohung unserer Arbeit, die mir wirklich große Sorgen macht". Demokratische Gesellschaften seien auf eine gemeinsame Faktenbasis angewiesen, betonte der 53-Jährige, der für seine kritischen Fernsehinterviews in der Nachrichtensendung "Zeit im Bild 2" des Österreichischen Rundfunks (ORF) bekannt ist.

Ginzel sagte, er beobachte ein deutlich pressefeindliches Klima in der Gesellschaft. "Dass es mittlerweile in klassischen bürgerlichen Milieus schick ist, auf Kommentare in der Berichterstattung, die der eigenen Meinung widersprechen, mit Hass zu reagieren, ist doch relativ neu", erklärte er.

Ginzel und Gerber arbeiten unter anderem investigativ für das ZDF und den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Für Aufsehen sorgten sie bei der sogenannten "Hutbürger-Affäre" Mitte 2018, als sie am Rande einer "Pegida"-Demonstration in Dresden 45 Minuten lang von der Polizei festgehalten wurden.