Kinderhilfswerk: Kampf gegen Kinderarmut deutlich intensivieren

epd-bild / Stefan Arend "Die Armut in Deutschland hat an vielen Stellen ein Kindergesicht", sagt der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Der Kampf gegen Kinderarmut müsse in Deutschland effektiver geführt werden.

04.11.2019

Bund, Länder und Kommunen müssen nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ihren Kampf gegen Kinderarmut deutlich effektiver führen. Die Gefährdungsquoten zeigten, "dass die Armut unter Kindern in allen Bundesländern teilweise wesentlich höher ist als die Armut unter Erwachsenen", teilte die Organisation am Montag in Berlin mit. Das Problem bedürfe einer eigenständigen Lösung, forderte Präsident Thomas Krüger: "Die Armut in Deutschland hat an vielen Stellen ein Kindergesicht."

Seinen Angaben nach zeigt sich bei den Armutsquoten der zurückliegenden zehn Jahre ein differenziertes Bild: Während in der einen Hälfte der Bundesländer die Kinderarmut stärker als die der Erwachsenen gestiegen ist, hat sich in der anderen Hälfte die Kinderarmutsquote besser als die der Erwachsenen entwickelt.

Regionale Unterschiede

Krüger verwies auf deutliche regionale Unterschiede: So beträgt die Differenz zwischen Kindern und Erwachsenen in Bayern lediglich 1,5 Prozentpunkte (Armutsgefährdungsquote 2018: Kinder und Jugendliche 12,9 Prozent, Erwachsene 11,4 Prozent), in Baden-Württemberg 3,3 Prozentpunkte und im Saarland 5,1 Prozentpunkte. In Bremen hingegen beträgt die Differenz 15,6 Prozentpunkte, in Sachsen-Anhalt 9,1 Prozentpunkte und in Mecklenburg-Vorpommern 8,0 Prozentpunkte.

In 8 von 16 Bundesländern habe sich die Armutsgefährdungsquote bei Kindern seit dem Jahr 2008 positiver entwickelt als die der Erwachsenen. Besonders gute Werte haben hier Mecklenburg-Vorpommern mit einer positiven Differenz von 4,0 Prozentpunkten (Armutsgefährdungsquote 2018 zu 2008: Kinder und Jugendliche minus 6,8 Prozentpunkte, Erwachsene minus 2,8 Prozentpunkte), Sachsen-Anhalt mit 3,7 Prozentpunkten und Thüringen mit 2,9 Prozentpunkten.

Kindergrundsicherung müsse folgen

Das kürzlich in Kraft getretene "Starke-Familien-Gesetz" und die Änderungen beim Bildungs- und Teilhabepaket seien wichtige Schritte im Kampf gegen Kinderarmut, denen nun möglichst zügig eine Kindergrundsicherung folgen müsse, sagte Krüger. "Die Förderung armer Kinder und ihrer Familien sowie unbürokratische Zugänge zu armutsvermeidenden Leistungen gehören auf der Prioritätenliste ganz nach oben."

Krüger rief die Bundesregierung auf, den Vorschlag der Familienministerkonferenz zur Einrichtung von Familienservicezentren aufzugreifen, in denen Familien qualifiziert beraten werden und möglichst auch Leistungen beantragen können.