Bertelsmann Stiftung kritisiert überflüssige Operationen

Heike Lyding Überflüssige und in ihrem Nutzen fragwürdige Untersuchungen, Operationen, Therapien und Arzneimittelverschreibungen schadeten den Patienten, kritisierte die Bertelsmann Stiftung in einer Studie.

05.11.2019

In Deutschland wird einer Studie zufolge oft unnötig diagnostiziert und operiert. So komme es etwa jährlich zu rund 70.000 Schilddrüsenoperationen, obwohl bei etwa 90 Prozent der Eingriffe keine bösartigen Veränderungen vorliegen würden, heißt es in einer am Dienstag in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung. Mit einer besseren Diagnostik könnten viele dieser Operationen vermieden werden.

Überflüssige und in ihrem Nutzen fragwürdige Untersuchungen, Operationen, Therapien und Arzneimittelverschreibungen schadeten den Patienten, kritisierte die Stiftung. Auch bei Eierstockoperationen liege lediglich bei zehn Prozent der operierten Frauen eine bösartige Erkrankung vor. Zu unnötigen Eingriffen komme es, weil vielen Frauen ohne Risiko ein Screening empfohlen werde.

Verunsicherung, Komplikationen und Folgeeingriffen

Als Ursachen von medizinischer Überversorgung nennt die Studie Planungs-, Vergütungs- und Steuerungsdefizite im Gesundheitssystem. Auch die Erwartungen und Einstellungen sowohl von Ärzten als auch Patienten spielten dabei eine große Rolle, hieß es. Überflüssige Operationen könnten zu Verunsicherung, Komplikationen und Folgeeingriffen führen. Außerdem würden sie medizinisches Personal binden, die für andere Behandlungen dringender benötigt würden.

Die Analysen erstellten das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold im Auftrag der Stiftung. Neben einer Literaturrecherche zu dem Thema wurden 24 Patienten und 15 Ärzte in ausführlichen Interviews befragt. Zudem nahm das Bielefelder Marktforschungsinstitut Kantar im September 2019 eine repräsentative Bevölkerungsbefragung vor.