Finanzexperte Striegler: Kirchen können Vorbildfunktion übernehmen

epd-bild/Norbert Neetz Die Evangelische Kirche will mit dem Abzug von Kapital aus besonders klimaschädlichen Unternehmen den Druck für mehr Klimaschutz in der Wirtschaft erhöhen. Die Kirche könne eine Vorbildfunktion übernehmen, sagt der kirchliche Finanzexperte Striegler.

05.11.2019

Die Kirchen müssen nach Ansicht des kirchlichen Finanzexperten Heinz Thomas Striegler noch mehr in ökologische Geldanlagen investieren. Dadurch könnten sie auch für andere Institutionen, die Vermögen verwalten, eine Vorbildfunktion übernehmen, sagte der Jurist und Vorsitzende des Arbeitskreises kirchlicher Investoren in der Evangelischen Kirche in Deutschland (AKI) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Striegler verantwortet als Verwaltungschef zudem die Finanzangelegenheiten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

"Mit unseren Investitionsentscheidungen wollen wir dazu beitragen, dass zumindest die kapitalmarktfinanzierten Unternehmen Klimaschutzziele formulieren und Klimaschutzmaßnahmen umsetzen", fügte Striegler hinzu: "Als besonders umweltschädlich betrachten wir Unternehmen, deren originärer Geschäftszweck die Förderung von Kohle oder Öl aus Ölsand oder Ölschiefer ist."

"Noch fehlen oft valide Daten"

Striegler beklagt allerdings Hindernisse bei der klimafreundlichen Kapitalanlage: "Noch fehlen oft valide Daten, um die Klimafreundlichkeit von Staaten und Unternehmen zu bewerten und standardisierte Bewertungsmethoden, um Finanzprodukte wie Anleihen und Aktien vergleichbar zu machen." Der AKI-Arbeitskreis fördert seit 2008 die ethisch-nachhaltige Geldanlage im Bereich der evangelischen Kirche.

Seine eigene Landeskirche, die EKHN, habe ihr Kapital aus Unternehmen abgezogen, deren Umsatz zu mindestens zehn Prozent auf die Förderung von Kohle oder Öl aus Ölsand oder Ölschiefer entfällt, was als besonders umweltschädlich gilt. Stattdessen investiere seine Kirche in den Ausbau erneuerbarer Energien und den Ausbau des Übertragungsnetzes, so Striegler. Ein Großteil des Kirchenvermögens stecke in Unternehmen, die zu den klimafreundlichsten ihrer Branchen zählten. Zudem habe man einen "Engagement-Dienstleister" beauftragt, regelmäßig durch Aktionärsanträge und im Gespräch mit Unternehmensverantwortlichen unter anderem das Erreichen von Klimaschutzzielen einzufordern.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und weitere Mitglieder des AKI-Arbeitskreises wollen mit Maßnahmen wie dem Abzug von Kapital aus besonders klimaschädlichen Unternehmen den Druck für mehr Klimaschutz in der Wirtschaft erhöhen. Dazu setzt der Arbeitskreis AKI außerdem auf Klimaschutzdialog mit Unternehmen und Staaten, Beteiligung im Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung, Investitionen in besonders klimafreundliche Staaten und Unternehmen sowie erneuerbare Energien. Insgesamt gelten die evangelischen Landeskirchen, Pensionskassen, Banken und die Diakonischen Werken, aber auch institutionelle Anleger aus dem katholischen Raum als Vorreiter klimafreundlicher Kapitalanlage.