Wikipedia-Gründer Wales besorgt über Niedergang der Lokalpresse

epd-bild/Wikipedia Jimmy Wales, der Mitbegründer von Wikipedia, ist besorgt über den "Niedergang der Lokalpresse". Den Umgang mit Fake News sieht er dagegen gelassen.

06.11.2019

Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales hat sich besorgt über den "Niedergang der Lokalpresse" geäußert. Es könnten keine guten Artikel über eine Kleinstadt mehr für die Online-Enzyklopädie entstehen, wenn es keine Nachrichten mehr über diese Kleinstadt gebe, sagte er "Spiegel Online". Der 53-jährige US-Amerikaner gehört dem Kuratorium der Wikimedia Foundation an, einer gemeinnützigen Stiftung, die freies Wissen und freie Inhalte im Netz fördert, darunter das Projekt Wikipedia.

Den Umgang mit Fake News sieht Wales dagegen gelassen. Die Wikipedia-Community sei sehr gut darin, die Qualität von Quellen zu bewerten, sagte er. Desinformationskampagnen wie jüngst in Polen hätten bisher gut abgewehrt werden können. Mutmaßlich polnische Nationalisten hatten dem Bericht zufolge über Jahre einen Wikipedia-Eintrag verfälscht, indem sie ein Nazilager falsch darstellten und die Zahl polnischer Opfer übertrieben.

"Das ist mein Lebenswerk"

Als größte Herausforderung bezeichnete der Unternehmer das Wachstum von Wikipedia in Entwicklungsländern. "Die nächste Milliarde Menschen, die einen Onlinezugang bekommt, wird mit Mobilgeräten ins Internet gehen", sagte er. "Es ist schwer, auf Smartphones Wikipedia-Artikel zu schreiben. Deswegen investieren wir immer mehr Ressourcen, um den Zugang für diese Menschen zu verbessern." Seine ursprüngliche Vision der Wikipedia sei, eine Enzyklopädie für alle in ihren eigenen Sprachen anzubieten: "Das ist mein Lebenswerk."

Wales gründete seit den 90er Jahren eine Reihe von Internetfirmen. Mit der Gründung der Wikimedia Foundation, die Wales 2003 bekanntgab, waren alle mit Wikipedia oder Schwesterprojekten in Zusammenhang stehenden Rechte an Namen und Domains sowie die bis dato angeschafften Server an die Stiftung übergegangen. Die 2001 gegründete Wikipedia in deutscher Sprache ist eigenen Angaben zufolge die viertgrößte.