Diese Woche neu im Kino

epd-bild/Universum Film GmbH/Reiner Bajo Interessante neue Filme im Kino - ausgewählt von der Redaktion von epd Film.

07.11.2019

Lara

Sieben Jahre nach seinem gefeierten Debüt "Oh Boy" erscheint Jan-Ole Gersters zweiter Film - und es ist wieder ein großer Wurf geworden. Corinna Harfouch spielt die Titelheldin: eine alleinstehende Frau, Mutter eines erwachsenen Sohns, die an ihrem 60. Geburtstag vor den Scherben ihres Lebens steht. Den Traum, Pianistin zu werden, hat sie früh aufgegeben. Darüber, dass ihr Sohn, der vor seinem Debüt als Komponist steht, diesen Traum zu erreichen scheint, kann sie sich nicht freuen. So driftet sie - in präzise fotografierten, melancholischen Bildern - durch die Stadt. Ein bitteres, aber nicht hoffnungsloses Frauenporträt - mit einer preiswürdigen Vorstellung von Harfouch.

Regie: Jan-Ole Gerster. Buch: Blaz Kutin. Mit: Corinna Harfouch, Tom Schilling, Rainer Bock, André Jung. Länge: 98 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung, feiertagsfrei. FBW: besonders wertvoll. Deutschland 2019.

Midway - Für die Freiheit

Roland Emmerich stellt die Ereignisse rund um einen der entscheidenden Kämpfe zwischen Japanern und Amerikanern im Pazifik als absichtlich altmodisches Männerdrama nach: Tapfere Marine-Führer, schlaue Aufklärungs-Offiziere und tollkühne Flieger zeigen, was sie drauf haben gegenüber einem Feind, der nach dem überraschenden Angriff auf Pearl Harbor die Oberhand zu haben scheint. Dabei versucht Emmerich, sich weitgehend an die historisch verbürgten Tatsachen zu halten, zumindest was die taktischen Details der "Schlacht um Midway" angeht. Außerdem gibt er sich Mühe, auch den Kriegsgegner Japan hier nicht nur als Befehle bellendes Stereotyp zu zeichnen, sondern dessen Mut und Ehre hervorzuheben. Der Film feiert dabei auf beiden Seiten der Front auf eine so ungebrochene Weise die Tugenden von Tapferkeit und Selbstaufopferung, dass man den Eindruck bekommen könnte, der Film sei in der Zeit entstanden, von der er handelt.

Regie: Roland Emmerich. Buch: Wes Tooke. Mit: Ed Skrein, Woody Harrelson, Patrick Wilson, Luke Evans, Dennis Quaid, Aaron Eckhart. Länge: 138 Minuten. FSK: ab 16 Jahre. USA 2019.

2040 - Wir retten die Welt

Apokalyptische Bilder von den Folgen des Klimawandels erleben zurzeit einen Boom. Doch der australische TV- und Filmschauspieler Damon Gameau versucht es mit positiver Aufklärung. Sein neuer Film "Wir retten die Welt" triggert mit unverfrorener Spielfreude das Bedürfnis, Greta Thunbergs "How dare you?" durch unmittelbar einleuchtende praktische Modelle zur ökologischen Rettung der Welt zu ergänzen. Mit viel Schaulust nimmt sich Gameau die positiven Effekte von beispielhaften Umweltaktivitäten vor. In virtuellen Bildern entwirft der Dokumentarfilm, der eigentlich ein Hybrid zwischen Dokumentation, Animation und Science Fiction darstellt, die phantastisch harmonische Vision einer besseren Zukunft.

Regie und Buch: Damon Gameau. Mit: Damon Gameau, Eva Lazzaro, Zoë Gameau, Davini Malcolm. Länge: 92 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung. Australien 2019.

Das Wunder von Marseille

Ein etwas anderes Flüchtlingsdrama - die Geschichte einer spielend gelungenen Integration, wenn man so will. Der Film erzählt, nicht ganz ohne dramatisierende Veränderungen, die wahre Geschichte von Fahim Mohammad, der mit seinem Vater aus Bangladesch nach Frankreich kam und mit elf Landes-Schachchampion in seiner Altersklasse wurde. Neben den speziellen Problemen einer kindlichen Überraschungskarriere beschreibt Regisseur und Drehbuchautor Pierre François Martin-Laval auch die allgemeine Lage der Immigranten in Europa. Der Vater hatte vergeblich Asyl beantragt und war untergetaucht - erst nach dem Erfolg von Fahim wurde ihm vom damaligen Premier François Fillon eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. In der Rolle von Fahims Schach-Mentor ist Gérard Depardieu zu sehen.

Regie und Buch: Pierre François Martin-Laval. Mit: Assad Ahmed, Gérard Depardieu, Isabelle Nanty, Mizanur Rahaman. Länge: 107 Minuten. FSK: ab 12 Jahre. Frankreich 2019.