Tomas bringt Leben in die Bude

epd-bild/Klaus Landry Er hilft im Pflegeheim bei der Essensausgabe und bringt seine Lebensfreude ein: Tomas Hauck hat das Down-Syndrom und macht ein Freiwilliges Soziales Jahr. Eine Betreuerin hilft dem 18-Jährigen, beim FSJ Inklusion selbstständiger zu werden.

07.11.2019

Wenn Tomas da ist, kommt bei den Senioren im Pflegeheim "Rhein-Pfalz-Stift" in Waldsee bei Speyer richtig Leben in die Bude. Mit strahlendem Lächeln setzt er vorsichtig die Teller mit Klößen, Sauerkraut und Braten auf den Tisch. "Jetzt bitte noch das Fleisch schneiden", sagt Antje Niewöhner, seine Betreuerin, die sich im Hintergrund hält und ihn beobachtet. Drei Bewohner des Pflegeheims warten in ihren Zimmern schon auf das Essen.

"Alles macht Spaß", sagt Tomas, und schiebt den Servicewagen mit dem Mittagessen durch die Gänge. Vor allem "Spielen und Quatsch machen" mit den Heimbewohnern, von denen einige dement sind. Der 18-jährige Speyerer hat das Down-Syndrom. Er ist einer von fünf jungen Leuten mit geistiger Beeinträchtigung, die auf Vermittlung der pfälzischen Diakonie seit Anfang September ein "Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Inklusion" in einer sozialen Einrichtung ableisten - ein Pilotprojekt.

Großer Einsatz und positive Ausstrahlung

Auch junge Leute mit geistiger Beeinträchtigung sollten die Chance haben, sich ihren Fähigkeiten entsprechend ehrenamtlich in einem FSJ zu engagieren, erläutert Erika Münzer-Siefert vom Referat Freiwilligendienste der Diakonie. Ziel sei es, ihre persönliche Entwicklung und ihre beruflichen Perspektiven zu fördern. Die sozialen Einrichtungen profitierten zudem von der positiven Ausstrahlung der behinderten FSJler und ihrem oft großen Einsatz. Bis zu zehn junge Leute sollen in Zukunft einen Freiwilligendienst im "FSJ Inklusion" machen können.

Auch Norbert Hauck hofft, dass sein Sohn Tomas von dem einjährigen Dienst in dem privaten Pflegeheim des Seniorendienstleisters "avendi" profitiert - und dass er nicht in eine Behindertenwerkstatt müsse. Bei der Förderung von Tomas sei die Familie einen Weg "außerhalb des Systems" gegangen. Statt Förderschulen habe er integrative Klassen auf Regelschulen und in der Berufsschule besucht. Beim "FSJ Inklusion" könne Tomas nun "austesten, was er kann", sagt Hauck.

Mit Freude an der Arbeit

Klare Strukturen und Aufgaben sowie eine besondere persönliche Betreuung seien für die Absolventen des "FSJ Inklusion" sehr wichtig, betont Antje Niewöhner. Im Auftrag der "Lebenshilfe" in Ludwigshafen betreut sie Tomas während seiner 20,5-Stunden-Woche im "Rhein-Pfalz-Stift". Morgens fährt er eigenständig mit dem Bus von Speyer zu seiner Einsatzstelle.

Der junge Mann im orangefarbenen T-Shirt richtet das Besteck, verteilt das Essen, stellt das gebrauchte Geschirr in den Geschirrspüler in der hauseigenen Küche. Dabei lässt ihn Niewöhner, die auch Presbyterin in der protestantischen Kirchengemeinde Bellheim-Knittelsheim ist, nicht aus den Augen. Immer wieder muss die Betreuerin ihn an die Hand nehmen, an Arbeitsabläufe erinnern und sie korrigieren.

Tomas lacht gerne und viel - er hat sichtlich Freude an seiner Arbeit. "Du bist meine Schwiegermutter", sagt er und drückt seine Betreuerin fest. Seine Arbeit übernimmt sie aber bewusst nicht: "Das Ziel muss es sein, dass er das selbstständig tut", sagt Niewöhner. Doch dürfe man Tomas nicht überfordern. Viele Eltern von geistig behinderten Kindern hätten große Angst angesichts der Frage, wer sich um ihre Kinder kümmere, wenn sie selbst einmal nicht mehr da seien, erzählt sie. Das "FSJ Inklusion" könne, abhängig von der Art der geistigen Beeinträchtigung, eine Chance für mehr Selbstständigkeit sein.

Tomas kommt gut an

Bereits vergangenes Jahr hatte Tomas eine Woche lang im Pflegeheim mitgeholfen, erzählt die Leiterin Margot Reis. Bei den alten Leuten komme Tomas gut an, zudem entlaste er teilweise das Mitarbeiterteam.

"Er bringt seine Lebensfreude ein", sagt Reis. Gerne würde sie ihn nach seiner Dienstzeit Ende August 2020 übernehmen – wie bereits zuvor den geistig behinderten Cedric, der Stationshelfer ist. Dies sei jedoch nur möglich, wenn weiterhin die Betreuungskosten getragen würden.

Jetzt wird erst einmal geschaut, wie sich Tomas in seinem FSJ-Job macht. Auch Norbert Hauck will erst in einem knappen Jahr entscheiden, wie es für seinen Sohn weitergeht. Keine gute Lösung wäre es, sagt er, "wenn eine Assistenzkraft seine Arbeit machen würde".