Evangelische Kirche fordert Vorrang des Zivilen in Konflikten

epd-bild/Heike Lyding Die Synode der evangelischen Kirche diskutiert derzeit in Dresden über Frieden. Sie fordert einen Vorrang des Zivilen. Das ist an sich nichts Neues. "Es ist aber notwendig, in diesen Tagen das zu sagen", sagt der Friedensbeauftragte.

11.11.2019

Angesichts einer wachsenden Zahl bewaffneter Konflikte in der Welt hat die evangelische Kirche ihre Forderung nach nicht-militärischen Lösungen bekräftigt. Die Kirche halte am Weg der Gewaltfreiheit, dem Vorrang des Zivilen fest, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, am Montag in Dresden. "Es ist notwendig, in diesen Tagen das zu sagen", ergänzte er. In Dresden berät derzeit die Synode der EKD. Eines ihrer Schwerpunktthemen ist die Friedensethik.

Die EKD hatte sich 2007 in einer Denkschrift zum Thema positioniert. Betont wird darin der Vorrang ziviler Konfliktlösungen. Gewalt wird als äußerstes Mittel zur Vermeidung schlimmerer Verbrechen aber nicht komplett abgelehnt. Brahms sagte, diese Position gelte noch. Zwölf Jahre später müsse es aber eine Weiterentwicklung geben. Die Vize-Präses der Synode, Elke König, sagte: "Sonst sind wir keine Kirche, wenn wir das Friedensthema nicht in den Mittelpunkt stellen."

Klimaforscherin: "Ohne Klimaschutz kein Frieden"

Eine notwendige Weiterentwicklung der Friedensethik sieht Brahms nach eigenen Worten durch das Thema Nachhaltigkeit. Bei der Synode wies die Klimaforscherin Kira Vinke auf das Konfliktpotenzial des Klimawandels hin. Immer mehr Menschen müssten ihre Heimat wegen der Veränderungen verlassen, vor allem aus armen Regionen, sagte die Wissenschaftlerin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Ohne Klimaschutz kein Frieden und ohne Klimaschutz keine Gerechtigkeit", sagte Vinke, die auch dem Beirat Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung angehört.

Ob durch die bei der Synode angestoßene Diskussion eine neue Denkschrift entstehe, sei dann zu klären, sagte Brahms. Zunächst gehe es darum, dass sich die Kirche neu mit Herausforderungen beschäftige. Dazu zählt nach seinen Worten unter anderem die ethische Bewertung autonomer Waffensysteme.

Schnelleren Kohleausstieg gefordert

Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh forderte die EU bei der Synode zu mehr Engagement für gewaltfreie Konfliktlösungen auf. "Als Kirchen setzen wir uns für einen Vorrang des Zivilen als Grundlage europäischer Politik ein", sagte er. Das "Wettrennen um militärische Potenziale" in der EU sei kritisch zu hinterfragen. Wer sich nach außen für militärische Macht einsetze, müsse bedenken, dass das auch Wirkung nach innen habe, sagte er mit Blick auf Spannungen in der Gesellschaft.

Im Entwurf einer Kundgebung, die der Synode zur Beratung und Abstimmung vorgelegt wurde, wird die EU aufgefordert, Organisationen wie die Vereinten Nationen und die OSZE stärker bei zivilen Konfliktlösungsversuchen zu unterstützen. Zudem wird eine restriktivere Rüstungsexportkontrolle gefordert. Im Bereich Klimaschutz fordert das Papier unter anderem einen schnelleren Kohleausstieg. An die Kirchen selbst ist der Appell formuliert, eigenes Handeln stärker am Klimaschutz auszurichten.

"Mit einer unfriedlichen Wirklichkeit konfrontiert"

Der Bundeswehr-Oberstleutnant Mathias Meierhuber sagte vor der Synode, dass trotz Vorrang des Zivilen auch Gewalt als Ultima Ratio dem Bösen "als Rad in die Speichen fallen" müsse. "Als Christ trete ich für eine Welt ohne Gewalt ein", sagte er vor der Synode und ergänzte: "Und doch bin ich mit einer unfriedlichen Wirklichkeit konfrontiert."

Die Synode berät noch bis Mittwoch in Dresden. Am Dienstag steht der Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch auf der Tagesordnung. Am Montag sollte noch über den Haushalt der EKD beraten werden.