EKD plant 1,3 Millionen Euro zur Missbrauchsaufklärung ein

epd-bild/Heike Lyding Innerkirchliches wie die Finanzplanung und die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt wird von der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ebenso diskutiert wie die christliche Perspektive auf Krieg und Frieden.

11.11.2019

Finanzen und Friedensethik: Mit Beratungen über den Haushalt 2020 und christliche Positionen zur Beilegung internationaler Konflikte hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Montag in Dresden ihre Synodenberatungen fortgesetzt. Für das Jahr 2020 plant die EKD weitere 1,3 Millionen Euro zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs ein. Das Geld soll insbesondere in die geplanten Studien zur Aufklärung und Prävention fließen. In der friedensethischen Debatte unterstrich das Kirchenparlament die Prämisse, Konflikte ohne Militär zu lösen.

Die Synode der EKD hatte im vergangenen Jahr Schritte zur Aufklärung und Prävention sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche angestoßen. Die damals beschlossenen Studien wurden im September ausgeschrieben und sollen möglichst im Sommer 2020 starten.

Abnehmende Finanzkraft

Der von EKD-Ratsmitglied Andreas Barner vorgelegte Haushaltsentwurf für 2020 sieht Aufwendungen in Höhe von 222,1 Millionen Euro vor und damit 4,5 Millionen Euro mehr als 2019. Barner machte am Montag nochmals deutlich, dass sich die evangelische Kirche mittelfristig auf eine abnehmende Finanzkraft einstellt.

Eine von der EKD beauftragte Studie von Finanzwissenschaftlern der Universität in Freiburg prognostiziert, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 gegenüber dem heutigen Niveau halbiert und sich das in ähnlichem Umfang auch auf die Einnahmen auswirken wird. Die EKD berät bereits über Konsequenzen. Inhaltliche und finanzielle Veränderungen müssten dabei Hand in Hand gehen, sagte Barner.

Friedensbeauftragter: "Vorrang von zivilen Konfliktlösungen"

Der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms sagte, die Kirche halte angesichts einer wachsenden Zahl internationaler Konflikte am Weg der Gewaltfreiheit fest. Die EKD hatte sich 2007 in einer Denkschrift zum Thema positioniert. Betont wird darin der Vorrang ziviler Konfliktlösungen. Gewalt wird als äußerstes Mittel zur Vermeidung schlimmerer Verbrechen aber nicht komplett abgelehnt. Brahms sagte, diese Position gelte noch. Zwölf Jahre später müsse es aber eine Weiterentwicklung geben. Die Vizepräses der Synode, Elke König, sagte: "Sonst sind wir keine Kirche, wenn wir das Friedensthema nicht in den Mittelpunkt stellen."

Eine notwendige Weiterentwicklung der Friedensethik sieht Brahms nach eigenen Worten beim Thema Nachhaltigkeit. Bei der Synode wies die Klimaforscherin Kira Vinke auf das Konfliktpotenzial des Klimawandels hin. Immer mehr Menschen müssten ihre Heimat wegen der Veränderungen verlassen, vor allem aus armen Regionen, sagte die Wissenschaftlerin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Ohne Klimaschutz kein Frieden und ohne Klimaschutz keine Gerechtigkeit", sagte Vinke, die auch dem Beirat Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung angehört.

Kritik an "Wettrennen um militärische Potenziale"

Ob durch die bei der Synode angestoßene Diskussion eine neue Denkschrift entstehe, sei dann zu klären, sagte Brahms. Zunächst gehe es darum, dass sich die Kirche mit aktuellen Fragestellungen beschäftige. Dazu zählt nach seinen Worten unter anderem die ethische Bewertung autonomer Waffensysteme.

Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh forderte die EU zu mehr Engagement für gewaltfreie Konfliktlösungen auf. Das "Wettrennen um militärische Potenziale" in der EU sei kritisch zu hinterfragen. Wer sich nach außen für militärische Macht einsetze, müsse bedenken, dass das auch Wirkung nach innen habe, sagte er mit Blick auf Spannungen in der Gesellschaft.

Schnelleren Kohleausstieg gefordert

Im Entwurf einer Kundgebung, die der Synode zur Beratung und Abstimmung vorgelegt wurde, wird die EU aufgefordert, Organisationen wie die Vereinten Nationen und die OSZE stärker bei zivilen Konfliktlösungsversuchen zu unterstützen. Zudem wird eine restriktivere Rüstungsexportkontrolle gefordert. Im Bereich Klimaschutz fordert das Papier unter anderem einen schnelleren Kohleausstieg. An die Kirchen selbst ist der Appell formuliert, eigenes Handeln stärker am Klimaschutz auszurichten.

Die am Sonntag eröffnete Synodentagung endet am Mittwoch. Das Schwerpunktthema lautet "Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens". Über die Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche soll am Dienstag eingehend beraten werden.