Missbrauch: Evangelische Kirche richtet Betroffenenbeirat ein

epd-bild/Heike Lyding Bei der Synode der EKD geht es heute um die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch. Um Betroffene stärker am Aufarbeitungsprozess zu beteiligen, soll dazu im Frühjahr 2020 ein Betroffenenbeirat eingerichtet werden.

12.11.2019

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will Betroffene sexualisierter Gewalt stärker am Aufarbeitungsprozess beteiligen. Dazu soll zum Frühjahr 2020 ein sogenannter Betroffenenbeirat eingerichtet werden, teilte die Sprecherin des Beauftragtenrates der EKD, die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, am Dienstag in Dresden mit. Der Betroffenenbeirat soll zwölf Mitglieder haben, die vier Jahre im Amt sein sollen. Vorbild für das Konzept ist der Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

"Kritisches Gegenüber zur EKD"

Der Beirat soll als "kritisches Gegenüber zur EKD" fungieren, sagte Fehrs vor der EKD-Synode. Die Bewerbungsfrist für die Mitglieder des neuen Beirats läuft ab sofort und dauert zehn Wochen bis zum 24. Januar nächsten Jahres. Ziel sei es, dass sich der Beirat bis zum Frühjahr 2020 konstituiert, sagte Fehrs.

Fehrs ist Mitglied im fünfköpfigen Beauftragtenrat der EKD, der als federführendes Gremium für den Umgang mit Missbrauch in der evangelischen Kirche eingerichtet wurde. Vor einem Jahr hatte die EKD-Synode in Würzburg einen Elf-Punkte-Plan verabschiedet, der unter anderem Studien zur Aufklärung sexualisierter Gewalt und eine bessere Einbindung Betroffener vorsieht. Die darin vorgesehene zentrale Anlaufstelle ist bereits eingerichtet worden. Bislang sind 770 Fälle sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche bekannt, davon etwa 60 Prozent in Einrichtungen der Diakonie.