Zwei Euro Eintritt für die Schlosskirche in Wittenberg

epd-bild/Steffen Schellhorn 2017 war die Schlosskirche als Ursprungsort der Reformation ein Besuchermagnet. Seither gehen die Touristenzahlen wieder zurück, die Betriebskosten für das Schlosskirchenensemble sind hoch. Künftig wird der Besuch Eintritt kosten.

26.11.2019

Der Besuch der berühmten Schlosskirche in Wittenberg kostet künftig zwei Euro Eintritt. Die Neuregelung soll ab 1. Dezember gelten, wie Kustos und Geschäftsführer des Verwaltungsrates des Schlosskirchenensembles, Jörg Bielig, am Dienstag in der Lutherstadt mitteilte. Der Beitrag werde von allen Besuchern erhoben, die nicht mit einer gebuchten Führung die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Schlosskirche besichtigen. Gottesdienste, kulturelle und kirchliche Veranstaltungen sind von der neuen Regelung ebenfalls ausgenommen.

Grund für das Eintrittsgeld sind die hohen Betriebskosten für das Schlosskirchenensemble, die seit vergangenem Jahr im defizitären Bereich liegen. Auch in diesem Jahr wird laut Bielig ein Minus erwartet. Der Eintritt in die Schlosskirche erfolgt außerhalb von Gottesdiensten und Veranstaltungen über das Besucherzentrum im ersten Obergeschoss des Schlosses. Die zahlenden Besucher erhalten zum Eintritt auch ein kleines Heft mit Informationen zur Geschichte und Hinweisen zu den Sehenswürdigkeiten.

150.000 Besucher jährlich

Bielig sagte: "Unsere bisherigen Einnahmequellen, Spenden, Führungen und Souvenirverkauf, reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, die wir für den ganzjährigen touristischen Betrieb einsetzen müssen. Die Schlosskirche ist darüber hinaus ein Gebäude, das zum Weltkulturerbe zählt und deswegen ein hohes Maß an Servicequalität verlangt, aber auch baulich unterhalten werden muss."

In diesem Jahr werde mit 150.000 Besuchern gerechnet, inklusive den Gästen, die mit den Führungen das berühmte Gotteshaus besichtigen, hieß es. Vor zwei Jahren zum 500. Reformationsjubiläum seien es schätzungsweise dreimal so viele Besucher gewesen. Vor den jahrelangen Bauarbeiten, vor dem Reformationsjubiläum, seien es etwa 200.000 Besucher pro Jahr gewesen, die den Ursprungsort der Reformation besichtigten.

Thesentür

Die Schlosskirche befindet sich seit 2016 im Eigentum der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). An die Wittenberger Schlosskirche soll Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 kirchenkritischen Thesen angeschlagen haben. Dieses Datum gilt als Beginn der weltweiten Reformation und führte zur Spaltung in evangelische und katholische Kirche. Die heutige Thesentür ist nicht mehr das Original von 1517, sondern eine große Bronzetür aus dem Jahr 1858. Sie ist dennoch ein begehrtes Fotomotiv für Touristen.

In der Schlosskirche befindet sich auch Luthers Grabstätte und das Grab des Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560). Im Besucherzentrum ist unter anderem das rote Antependium, ein Altarbehang, zu sehen, das die dänische Königin Margrethe II. selbst gefertigt und zur Wiedereröffnung der Schlosskirche im Jahr 2016 überreicht hatte.

Von 2013 an wurde die Schlosskirche mehrere Jahre lang für die Feier des Reformationsjubiläums umfassend saniert und restauriert. Die Sanierung der 1503 eingeweihten Schlosskirche kostete rund acht Millionen Euro.