Mieter können sich leichter gegen Mieterhöhungen wehren

epd-bild/Jürgen Blume Wenn Mieter sich gegen überhöhte Mieten wehren wollen, steht es ihnen frei, eine Inkasso-Firma einzuschalten, die ihre Forderungen geltend macht. Der Bundesgerichtshof sah in einem aktuellen Urteil keinen Grund, hier rechtliche Hürden aufzubauen.

27.11.2019

Mieter können sich mit Hilfe von Inkasso-Dienstleistern leichter gegen Mieterhöhungen wehren. Es verstößt nicht gegen das Gesetz, wenn registrierte Inkasso-Firmen Mietern für mögliche Zahlungsforderungen gegenüber dem Vermieter ihre Hilfe anbieten und - anders als bei einem Anwalt - nur im Erfolgsfall eine Vergütung verlangen, entschied am Mittwoch der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil (BGH) im Fall des Berliner Inkasso-Dienstleisters Lexfox. (AZ: VIII ZR 285/18)

Lexfox (früher Mietright) bietet auf seiner Internetseite www.wenigermiete.de eine unverbindliche Prüfung an, ob Mieter eine zu hohe Miete zahlen oder zu Unrecht eine Mieterhöhung erhalten haben. Mieter können hierfür auf der Internetseite einen kostenlos nutzbaren "Mietpreisrechner" nutzen und dabei erste Hinweise erhalten, ob etwa der Vermieter gegen eine bestehende Mietpreisbremse verstoßen hat.

Unternehmen verlangt Vergütung nur bei Erfolg

Wird Lexfox damit beauftragt, Zahlungsforderungen beim Vermieter außergerichtlich durchzusetzen, verlangt das Unternehmen nur im Falle des Erfolges vom Mieter eine Vergütung in Höhe eines Drittels "der ersparten Jahresmiete". "Das heißt: Keine Vorabzahlung wie beim Anwalt", wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Im Streitfall hatte ein Berliner Mieter gerügt, dass sein Vermieter, eine Wohnungsbaugesellschaft, eine überhöhte Miete verlangt und sich nicht an die vorgeschriebene Mietpreisbremse hält. Der Mieter trat seine Forderungen an den Inkasso-Dienstleister Lexfox ab, der seine Ansprüche durchsetzen sollte.

Lexfox habe ausreichend Sachkunde

Der Vermieter hielt die Beauftragung von Lexfox als Inkasso-Dienstleister für nichtig. Lexfox erbringe eine Rechtsberatung, für die das Unternehmen nicht qualifiziert sei. Nur mit entsprechender Erlaubnis dürften solche Rechtsdienstleistungen erbracht werden. Dies sei etwa bei Anwälten der Fall. Ähnlich hatte sich in dem Fall auch die Rechtsanwaltskammer Berlin positioniert.

Doch der BGH urteilte, dass das Angebot von Lexfox noch nicht gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz verstößt. Als registrierter Inkasso-Dienstleister habe Lexfox ausreichend Sachkunde, um außergerichtlich Zahlungsforderungen geltend machen zu können. Die gesetzlichen Bestimmungen seien hier weit auszulegen.

Sämtliche Maßnahmen von Lexfox hingen mit der Einziehung der Forderung zusammen, die den Gegenstand "Inkassoauftrag" beinhaltet, betonte der BGH. Eine allgemeine Rechtsberatung liege nicht vor. Nicht zu beanstanden sei auch, dass Mieter nur im Erfolgsfalle eine Vergütung an den Inkasso-Dienstleisterzahlen müssen.