Wilhelm: Leistungsfähige Qualitätsmedien im digitalen Wettbewerb

epd-bild/Helmut Frank Die ARD-Anstalten wollen digitaler werden: Künftig sollen beispielsweise exklusive Formate für die ARD-Mediathek produziert werden. Der scheidende ARD-Vorsitzende Wilhelm warb am Mittwoch erneut für eine eigene europäische Digital-Plattform.

27.11.2019

Qualitätsmedien müssen nach Überzeugung des scheidenden ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm noch kompetenter in einer digitalen Medienlandschaft werden. Die Mediennutzung fächere sich durch unterschiedliche Plattformen immer weiter auf - der Anspruch in der Bevölkerung an Qualität und Breite in der Berichterstattung bleibe aber hoch, sagte Wilhelm, der auch Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) ist, am Mittwoch in München nach der Hauptversammlung der ARD-Intendanten sowie Gremienvorsitzenden.

Während seiner zweijährigen Amtszeit, die am 31. Dezember turnusmäßig zu Ende geht, habe er grundsätzlich das Thema Digitalisierung angehen wollen, erklärte Wilhelm. So brauche es nicht unzählige Angebote, sondern eine Konzentration - im Fall der ARD seien dies die "Big Five" Mediathek, Audiothek, Kika, "sportschau.de" und "tagesschau.de".

Mediathek solle zu einem eigenen Streamingdienst werden

So sollen künftig etwa exklusiv Formate für die ARD-Mediathek produziert werden, kündigten Wilhelm und ARD-Programmdirektor Volker Herres an. Die Programmdirektion solle beim BR liegen. Bisher bediene sich die Mediathek vor allem an Inhalten, die zuvor im Ersten gelaufen sind, erläuterte Herres. Für die digitale Zukunft sei es aber viel zu wenig, nur eine Plattform zu bieten, auf der man im Fernsehen verpasste Sendungen nachschauen könne. Die Mediathek solle vielmehr zu einem eigenen Streamingdienst werden. Channel Manager der Mediathek und stellvertretender ARD-Programmdirektor soll zum 1. Januar Florian Hager werden, aktuell Leiter von Funk, dem jungen Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

Der ARD-Vorsitzende Wilhelm warb erneut für eine europäische digitale Plattform, um nicht von Internetriesen aus den USA oder China abhängig zu sein. "Bisher hängen wir in allen Aspekten hinterher", betonte er.

Der wirtschaftliche Druck bleibe

Mit Blick auf die mögliche Erhöhung des monatlichen Rundfunkbeitrags um 86 Cent auf 18,36 Euro rechnet Wilhelm nach eigenen Worten auch in Zukunft mit einem "deutlichen Sparkurs" in der ARD. Es werde dabei auch zu Einbußen in Qualität und Volumen der Programme kommen. Hintergrund ist die von der Finanzkommission KEF geplante Erhöhung des monatlichen Rundfunkbeitrags um 86 Cent auf 18,36 Euro. Doch schon jetzt liege der Aufwand der Sender jenseits des aktuell gültigen Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro.

Wilhelm sagte, er gehe davon aus, dass die endgültige Erhöhung unter der Inflationsrate bleiben werde, zudem müssten die Sender den digitalen Wandel bewältigen und ein gutes Gesamtprogramm präsentieren. Der wirtschaftliche Druck bleibe also bestehen. Details zu möglichen Programmeinschnitten wollte Wilhelm mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen. Ihre endgültige Empfehlung gibt die KEF laut Wilhelm im Februar 2020 ab.

Veränderungen im Sonntagabend-Angebot

ARD, ZDF und Deutschlandradio hatten im Frühjahr nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) einen Mehrbedarf gemeldet, demzufolge der Rundfunkbeitrag ab 2021 auf 19,20 Euro steigen müsste. Das Sachverständigengremium KEF prüft die Anmeldungen und kann sie auch kürzen. Über die Höhe des Beitrags für die folgenden vier Jahre entscheiden dann auf Basis der KEF-Empfehlung die Ministerpräsidenten, die Parlamente aller 16 Bundesländer müssen anschließend zustimmen.

Durch die Einstellung der Serie "Lindenstraße" (18.50 bis 19.20 Uhr) kommt es laut Programmdirektor Herres zu Veränderungen im Sonntagabend-Angebot. So sollen ab April 2020 das Boulevardmagazin "Brisant", die Reportagereihe "Echtes Leben", um 18 Uhr eine kurze Tagesschau-Ausgabe, ein verlängerter "Bericht aus Berlin" und von 18.30 Uhr bis 19.20 die "Sportschau" laufen.

"Weltspiegel" behält Sendeplatz

Für das Magazin "Weltspiegel" bleibt der Sendeplatz um 19.20 Uhr bestehen. ARD-intern war zunächst diskutiert worden, die Sendung auf 18.30 Uhr vorzuverlegen. Stattdessen wurde überlegt, auf dem bisherigen "Weltspiegel"-Sendeplatz die "Sportschau" laufen zu lassen. Dies hatte unter anderen bei den Auslandskorrespondenten des Senderverbundes für Unmut gesorgt. Nun wird die "Sportschau" am Sonntagabend eine halbe Stunde später als bislang gesendet und erhält 50 statt wie bisher 30 Minuten Sendezeit.

Der ARD-Vorsitz wechselt am 1. Januar 2020 zum WDR. Dessen Intendant Tom Buhrow wird damit nächster ARD-Vorsitzender. Sprecherinnen des Senderverbunds werden dann Svenja Siegert und Sabine Krebs, das neue ARD-Kommunikationsteam in Köln wird von Birand Bingül geleitet.