Papst ernennt neuen Präsidenten der Finanzaufsicht

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani Wenige Wochen nach Bekanntwerden eines Finanzskandals im Vatikan äußert Papst Franziskus sich erstmals öffentlich zu den Vorgängen. Das Kirchenoberhaupt beklagt Korruption in den eigenen Reihen und wechselt den Leiter der eigenen Finanzaufsicht aus.

27.11.2019

Papst Franziskus hat Korruption in der eigenen Verwaltung beklagt. "Das ist ein Skandal, sie haben Sachen gemacht, die nicht sauber zu sein scheinen", sagte er zum jüngsten Finanzskandal im Vatikan um den verlustreichen Kauf einer Immobilie in London nach Angaben von "Vaticannews" während des Rückflugs von Japan.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Japan ernannte der Papst den Italiener Carmelo Barbagallo zum neuen Präsidenten der vatikanischen Finanzaufsicht (AIF). Der 63-Jährige folgt auf den Schweizer René Brülhart, dessen Mandat Franziskus überraschend nicht verlängerte.

Im vorliegenden Fall sei Kapital "schlecht und mit Korruption" verwaltet worden, erklärte der Papst in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu dem Skandal um Gelder aus dem sogenannten Peterspfennig. Dieser besteht aus Spenden von Gläubigen aus aller Welt, mit denen der Papst Arme unterstützt. Grundsätzlich befürwortete das Kirchenoberhaupt Investitionen aus Mitteln des Peterspfennigs. Doch sie müssten abgesichert sein.

Franziskus riet zur Anzeige

Die vatikanische Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gegen fünf teilweise hochrangige Mitarbeiter des Staatssekretariats und der Finanzaufsicht. Franziskus hatte nach eigenen Angaben selbst dazu geraten, bei der vatikanischen Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten, nach dem der interne Wirtschaftsprüfer mit dem Verdacht zu ihm gekommen sei. Im Zuge daraufhin aufgenommenen Ermittlungen wurde auch der Direktor der vatikanischen Finanzaufsicht (AAIF), Tommaso Di Ruzza, suspendiert. In der Folge traten zwei von vier AIF-Verwaltungsratsmitgliedern zurück.

Der neue AIF-Präsident Barbagallo war seit 2014 Leiter der Abteilung Bankenaufsicht der italienischen Zentralbank, für die er bis zu seiner Pensionierung knapp vierzig Jahre lang tätig war. Im vergangenen Juli wurde er zum Berater der zentralen europäischen Bankenaufsicht (SSM) ernannt.

Barbagallo betonte nach Angaben der offiziellen Internetseite Vaticannews, er werde sich bemühen, seine Erfahrungen bei der italienischen Zentralbank als Leiter der Aufsicht über das italienische Bank- und Finanzsystem sowie bei der europäischen Bankenaufsicht einzubringen.