Militärbischof Rink verteidigt kirchliches Seenotrettungsschiff

epd-bild/Jürgen Blume Der Moment für ein Kirchenschiff sei jetzt genau richtig, verteidigt der evangelische Militärbischof Sigurd Rink die Initiative für ein eigenes kirchliches Seenotrettungsschiff im Mittelmeer.

28.11.2019

Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink hat die Initiative für ein eigenes kirchliches Seenotrettungsschiff im Mittelmeer verteidigt. "Solange es keine besseren Wege aus der Hölle Libyen gibt, müssen wir verhindern, dass Menschen ertrinken", sagte Rink der Wochenzeitung "Die Zeit".

Der Moment für ein Kirchenschiff sei jetzt genau richtig, weil zum Leidwesen der Bundesrepublik und ihrer Bundeswehr die EU-Mission "Sophia" beendet wurde, erklärte er. Rink appellierte an die Europäische Union und an die Vereinten Nationen, schnellstens wieder ein funktionierenden Seenotrettungssystem im Mittelmeer zu installieren.

Ausschließlich aus Spenden finanziert

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte im September bekanntgegeben, zusammen mit einem Verein ein Schiff für die Seenotrettung anschaffen zu wollen. Die Seenotrettungsorganisation "Sea-Watch" soll das Schiff betreiben. Die Initiative für das Schiff geht auf den evangelischen Kirchentag in Dortmund im Juni zurück. Am 3. Dezember startet das Bündnis "United4Rescue" einen Spendenaufruf. Denn das Schiff soll ohne Kirchensteuermittel ausschließlich aus Spenden finanziert werden.

Rink sagte im Streitgespräch mit dem Wiener Theologen Ulrich Körtner in der "Zeit", das Schiff sei auch ein Symbol dafür, was die Politik sträflich versäumt habe. Die Positionen der Kirche bewegten sich völlig im Rahmen des internationalen Völkerrechts. "Wir fechten auch die Grenzsicherheit von Territorien nicht an", betonte er.

Körtner äußerte sich ablehnend zu einem Rettungsschiff. "Nach Ansicht des UNHCR gibt es in Libyen sehr viele Flüchtlinge, die in Europa höchstwahrscheinlich keinen Anspruch auf Asyl haben", sagte er der "Zeit". "Warum bringen wir sie dann hierher?" Die Kirche propagiere bei dem Thema zwar Meinungsvielfalt, dulde aber keinen wirklichen Widerspruch. "Wir leben in Echokammern und Überzeugungsgemeinschaften", kritisierte Körtner. Er bekomme Briefe von Christen, die deswegen aus der Kirche austreten würden.