Theologin zu «synodalem Weg»: Gläubige erwarten zu Recht Reformen

epd-bild/Meike Böschemeyer Beim bevorstehenden katholischen Reformprozess "muss etwas geschehen", sagt die katholische Theologin Julia Knop. Ihrer Ansicht nach erwarten die Gläubigen zu Recht konkrete Reformen.

28.11.2019

Die katholische Theologin Julia Knop verlangt konkrete Beschlüsse vom bevorstehenden katholischen Reformprozess, dem "synodalen Weg". "Die Gläubigen erwarten zu Recht belastbare Reformen", sagte die Erfurter Theologieprofessorin dem Internetportal "katholisch.de" (Donnerstag). "Es muss etwas geschehen". Ansonsten laufe die Kirche Gefahr, zumindest als Institution schon in wenigen Jahren in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, warnte Knop.

Der "synodale Weg" ist ein auf zwei Jahre angelegter Dialogprozess zwischen katholischen Bischöfen und Laienvertretern. Er beginnt am kommenden Sonntag, 1. Dezember. Ende Januar soll in Frankfurt am Main die erste Synodalversammlung stattfinden, in der neben den 69 Bischöfen der Deutschen Bischofskonferenz auch 69 gewählte Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sitzen. Außerdem sind unter den Delegierten der Synodalversammlung noch weitere Kirchenvertreter.

Frauenanteil "peinlich gering"

Knop kritisierte die Zusammensetzung der Synodalversammlung. Das Grundproblem sei, dass diese "stark klerikal" geprägt sei. Bei 69 Bischöfen und knapp 40 weiteren Geistlichen sei fast die Hälfte der Delegiertenplätze mit Klerikern besetzt. "Der Frauenanteil ist auch deshalb peinlich gering", sagte Knop. Vertreter der Missbrauchsopfer seien nicht strukturell berücksichtigt worden. Knop nimmt selbst am "synodalen Weg" teil. Sie sitzt in einem der vier thematischen Foren "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung". Die anderen synodalen Foren beschäftigen sich mit der Sexualmoral, dem Zölibat und der Rolle der Frau in der Kirche.

Die Theologin bemängelte nicht nur die zahlenmäßige Überlegenheit der Kleriker, sondern auch die besondere Gewichtung der bischöflichen Stimmen. Es brauche nur 24 Bischöfe, um das Votum von rund 200 Delegierten "zu torpedieren". Dabei solle es doch auch darum gehen, Konsequenzen aus klerikalem Machtmissbrauch zu ziehen. Die Bischöfe können laut Satzung des "synodalen Wegs" selbst entscheiden, ob sie die Beschlüsse in ihrer Diözese umsetzen.

Zudem hat der Vatikan etwa beim Zölibat und dem Frauenpriestertum das letzte Wort. Durch eventuelle Beschlüsse aus Deutschland sieht Knop den Vatikan aber auch unter Zugzwang. "Wir werden nicht zwei Jahre diskutieren können, ohne am Ende konkrete Ergebnisse vorzulegen", sagte sie. "Und zu denen wird sich auch der Vatikan verhalten müssen."