Sachsen gibt Gebeine an Australien zurück

epd-bild/Jens Schlüter Der Freistaat Sachsen hat sterbliche Überreste von 45 australischen Ureinwohnern an deren Nachkommen zurückgegeben. Die Rückgabe sei "ein längst überfälliger Schritt", sagte Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange.

28.11.2019

Bei einer traditionellen Zeremonie im Leipziger Grassi Museum für Völkerkunde hat der Freistaat Sachsen am Donnerstag sterbliche Überreste von 45 australischen Ureinwohnern an deren Nachkommen zurückgegeben. Nach Angaben des Museums stammen sie aus Grabplünderungen und von Opfern gewaltsamer Auseinandersetzungen und waren 1880 nach Sachsen gelangt. Die australische Botschaft dringt seit 2009 auf eine Restitution.

Zu der Rückgabe in Leipzig waren neben Vertretern von drei Communities australischer Ureinwohner auch die australische Botschafterin in Deutschland, Lynette Wood, und die Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, Léontine Meijer-van Mensch, gekommen.

Weitere Rückgabe für 2020 vorgesehen

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sagte anlässlich der Rückgabe, diese sei "ein längst überfälliger Schritt". Der Freistaat Sachsen bekenne sich zu seiner "als Pflicht empfundenen Bereitschaft zur Rückgabe menschlicher Überreste", erklärte sie.

In Deutschland wird seit einiger Zeit verstärkt über koloniales Unrecht und seine Auswirkungen diskutiert. Bundesweit sind Museen, Sammlungen und Universitäten angehalten, ihre Bestände auf Gebeine und Objekte aus Kolonialzeiten zu prüfen und den weiteren Umgang damit zu klären.

Sachsen hat den Angaben zufolge 2017 erstmals sterbliche Überreste von Ureinwohnern zurückgegeben, damals an Hawaii. Eine erste Rückgabe an Australien fand demnach im April 2019 statt, eine dritte ist für 2020 vorgesehen. Weitere Restitutionen würden zusammen mit Neuseeland und Namibia vorbereitet, hieß es weiter.