«Respektrente» ist das «Wort des Jahres»

29.11.2019

Das "Wort des Jahres 2019" lautet "Respektrente". Aus sprachlicher Sicht handele es sich um die Neubildung eines "Hochwertwortes" in der politischen Debatte, teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache am Freitag in Wiesbaden mit. Das Wort bezeichne die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen.

Bei der Grundrente gehe es nicht ausschließlich um einen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut, hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärt, sondern vor allem um Respekt, die "Anerkennung der Lebensleistung". Die Neuschöpfung versuche eine "Selbstaufwertung durch Fremdaufwertung", fand die Jury: Wer anderen Respekt entgegenbringe, mache sich selbst respektabel - "oder zumindest wählbar".

"Rollerchaos"

Auf Platz zwei wählte die Jury "Rollerchaos". Die Zulassung von mietbaren E-Rollern in diesem Jahr habe sich vielen deutschen Städten rasch zu einem Problem entwickelt. Die Roller würden häufig rücksichtslos und verkehrswidrig benutzt und unkontrolliert überall abgestellt. Der Anglizismus "Fridays for Future" (Platz drei) stehe wie kein anderer Ausdruck für eine junge Generation, die bereit sei, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen. Die vielerorts freitags zur Schulzeit stattfindenden Demonstrationen mit dem Ziel, auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen, seien eines der beherrschenden Themen des Jahres gewesen.

Die Neubildung "Schaulästige" (Platz vier) bezeichne in einer Zusammenziehung von "schaulustig" und "lästig" die Gaffer an einer Unfallstelle. Das vielfach aufgegriffene Wort stehe für die immer mehr zum Problem werdenden Behinderungen von Rettungsmaßnahmen durch Voyeure. Die Zusammensetzung "Donut-Effekt" (Platz fünf) bringe die kritische Entwicklung in ein Bild, dass Wohnraum vor allem an den Stadträndern entstehe und die Innenstädte verödeten. Wie bei einem Donut-Gebäck sei in der Mitte ein Loch.

"Brexitmüde" und "Oligarchennichte"

Der sich scheinbar endlos hinziehende Austritt Großbritanniens aus der EU mache die Menschen "brexitmüde", befand die Jury. Sie wählte das Adjektiv auf Platz sechs. Die Bereitschaft, nicht alles ungeprüft hinzunehmen, bringe das Verb "gegengoogeln" (Platz sieben) zum Ausdruck. In diesem Jahr sei der Kampf gegen falsche Informationen (Fake News) immer wichtiger geworden. Auf Platz acht wählte die Jury "Bienensterben". Aufgrund eines Volksbegehrens unter dem Motto "Rettet die Bienen" habe die bayerische Landesregierung dieses Jahr ein Gesetz zum Schutz der Artenvielfalt auf den Weg gebracht. In anderen Ländern hätten sich weitere "Bienenbegehren" angeschlossen.

Mit der "Oligarchennichte" (Platz neun) habe die Jury ein Thema aufgegriffen, das im Mai Österreich bewegte und auch in Deutschland Wellen schlug. Aufgrund eines inszenierten, heimlich gefilmten Treffens des österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache (FPÖ) mit einer angeblichen Nichte eines russischen Oligarchen 2017 auf Ibiza sei dessen Bereitschaft zu ungesetzlichem Handeln öffentlich gemacht worden und Strache im vergangenen Mai zurückgetreten. Auf Platz zehn setzte die Jury den Ausdruck "Geordnete-Rückkehr-Gesetz". Er stehe "für eine neuere Wortbildungsmethode in der Politik, wobei das Schema Adjektiv plus Substantiv plus 'Gesetz', wie auch beim 'Gute-Kita-Gesetz', zu grammatisch nicht ganz unproblematischen Zusammensetzungen führt".

Die "Wörter des Jahres" wurden zum 43. Mal in Folge bekanntgegeben. Das erste "Wort des Jahres" war 1977 "Szene". Im vergangenen Jahr lautete es "Heißzeit". Es spielt der Begründung zufolge auf eines der gravierendsten globalen Phänomene des frühen 21. Jahrhunderts an, den Klimawandel. Mit der Analogie zu "Eiszeit" erhalte der Ausdruck eine epochale Dimension und verweise auf eine sich möglicherweise ändernde Klimaperiode.