Keine Jobs für Behinderte: Beauftragter fordert höhere Abgabe

epd-bild/Christian Ditsch Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten sind verpflichtet, fünf Prozent schwerbehinderte Menschen einzustellen. Doch ein Viertel der Firmen haben gar keinen Behinderten eingestellt, sagt der Behindertenbeauftragte. Er fordert höhere Ausgleichsabgaben.

02.12.2019

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, hat mehr Anstrengungen für die Teilhabe behinderter Menschen gefordert. In seinen am Montag in Berlin vorgestellten Empfehlungen fordert er unter anderem mehr barrierefreie Arztpraxen und barrierefreien Wohnraum sowie höhere Abgaben für Unternehmen, die keine Angestellten mit Behinderung haben. Die Ausgleichsabgabe für sie solle mindestens 650 Euro betragen, sagte Dusel.

Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten sind verpflichtet, fünf Prozent schwerbehinderte Menschen einzustellen. Erfüllen sie die Quote nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen - je nach Anteil beschäftigter behinderter Menschen zwischen 125 und 320 Euro pro Monat. Dusel sagte, er wolle eine neue Stufe einführen für die Unternehmen, die gar keinen Behinderten angestellt haben. Nach seinen Angaben trifft das auf ein Viertel der verpflichteten Firmen in Deutschland zu.

"Wer heutzutage Barrieren baut, macht etwas falsch"

Seine Empfehlungen, die Dusel nun allen Ministerien vorlegen will, umfassen auch die Forderung nach mehr barrierefreiem Wohnraum. Dusel sprach sich für strengere Vorgaben in der Musterbauordnung der Bauministerkonferenz aus. "Wer heutzutage Barrieren baut, macht etwas falsch", sagte er. Nur barrierefreier Wohnraum verdiene den Namen sozialer Wohnungsbau, schon mit Blick auf die Altersstruktur, sagte Dusel.

Zu seinem Forderungskatalog gehört zudem die Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus. Behinderte Menschen, die eine Assistenz haben, können diese Hilfe Dusel zufolge bei Behandlungen im Krankenhaus oft nicht mitnehmen. Folge sei, dass Operationen nicht stattfinden könnten oder die Patienten völlig verängstigt seien. Das müsse sich ändern, sagte er.