Mehrere Gerettete auf der «Alan Kurdi» bewusstlos

02.12.2019

Dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" wird die Evakuierung mehrerer medizinischer Notfälle verweigert. Es seien zehn Gerettete an Bord, die über mehrere Stunden hinweg bewusstlos seien, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Eye, Julian Pahlke, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie müssten dringend von Bord, um versorgt zu werden. "Wir können das nicht mehr leisten." Die Geretteten seien durchweg in schlechter Verfassung und müssten dringend an Land.

Doch weder die Rettungsleitstelle in Rom noch die in Malta reagierten auf wiederholte Hilfsappelle von Sea-Eye, sagte Pahlke. Malta habe eine Evakuierung abgelehnt, Italien antworte nicht. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger (DGzRS) in Bremen, die für alle deutschen Schiffe in Notsituationen Ansprechpartner ist, hat die Helfer laut Sea-Eye an die libysche Küstenwache verwiesen. "Das Vorgehen der Seenotleitstellen ist ein Skandal und verstößt gegen zahlreiche internationale Abkommen", sagte Pahlke.

"Niemand will die Verantwortung übernehmen"

Die DGzRS verwies darauf, dass sie keine Möglichkeit habe, anderen Leitstellen Anweisungen zu geben. "Wir können nur Informationen weiterleiten und bitten, etwas zu tun", sagte Sprecher Christian Stipeldey. Das sei mehrfach geschehen. Die DGzRS müsse auch die libysche Küstenwache informieren, wenn sie von einem Notfall in der dortigen Rettungszone erfahre. "Aber Libyen ist ein Land ohne staatliche Strukturen." Nach Einschätzung von UN und Menschenrechtsorganisationen herrschen in libyschen Interniernungslagern unmenschliche Zustände mit Folter, Missbrauch und Zwangsarbeit. Die sogenannte libysche Küstenwache besteht weitgehend aus Milizionären.

Insgesamt 69 Geflüchtete befinden sich an Bord der "Alan Kurdi", 15 wurden bereits evakuiert, darunter Neugeborene und Kleinkinder. Am Donnerstag hatte die Besatzung insgesamt 84 Flüchtlinge vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet. Es sei kalt, die Geretteten befänden sich unter freiem Himmel, viele seien erschöpft. "Niemand will die Verantwortung übernehmen", kritisierte Pahlke.