Bedford-Strohm und Marx betonen Ausstrahlungskraft der Kirchen

epd-bild/Annette Zoepf Die Ausstrahlungskraft der Kirchen hänge nicht an der Zahl ihrer Mitglieder, sagte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, bei den Augsburger Friedensgesprächen. Er diskutierte mit Kardinal Marx über Kirchenaustritte und Glaubwürdigkeitsverlust.

09.01.2020

Die beiden großen Kirchen werden nach Ansicht ihrer obersten Repräsentanten trotz Krisen und Mitgliederschwund auch in Zukunft eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft und für den Frieden haben. "Die Ausstrahlungskraft der Kirchen hängt nicht an der Zahl ihrer Mitglieder", sagte der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Mittwochabend in Augsburg. Die Kirchen hätten einen wichtigen Auftrag, auch wenn Religionen heutzutage teilweise missbraucht würden, sagte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Die beiden Spitzenvertreter der christlichen Kirchen in Deutschland diskutierten bei den Augsburger Friedensgesprächen über Themen wie Kirchenaustritte, Frieden und Glaubwürdigkeitsverlust.

"Es liegt in der DNA der Kirchen, sich für Versöhnung einzusetzen", sagte Bedford-Strohm. "Wenn du mit Begeisterung und Überzeugung für deine Sache eintrittst, dann interessieren sich die Menschen, dann kommen sie und haben Respekt, auch wenn sie nicht gleich Mitglieder werden."

"Es ist doch nicht so, als sei morgen Schluss"

Christliches Leben sei auch für eine zukünftige moderne Gesellschaft wichtig, egal wie sich die Kirchenmitgliedschaft entwickelt, sagte Marx. Auch wenn die Bindung an die Kirchen schwinde und die Distanz zu ihr in den letzten Jahrzehnten größer geworden sei, würden die Menschen weiterhin an der Botschaft Jesu interessiert sein. "Es ist doch nicht so, als sei morgen Schluss", sagte er.

"Die Kirche muss sich immer wieder verändern", sagte Marx im Hinblick auf die Rolle und Verantwortung der Frauen in der katholischen Kirche. Es sei allerdings utopisch zu meinen, dass sich da etwas in Kürze ändere. "Das ist ein weltkirchliches Thema", sagte er. Es sei aber etwas in Bewegung und er könne sich nicht vorstellen, "dass in 50 Jahren noch alles so ist wie heute", betonte der Kardinal.

Marx forderte eine neue Evangelisierung und einen neuen Blick auf Jesus Christus. "Die Bibel muss immer wieder neu gelesen und unser Leben muss durch diese Quellen immer wieder neu entdeckt werden", betonte er. Allerdings habe er manches Mal auch Zweifel, wenn Religion zum Teil des Problems werde, wenn sie zu Nationalismus und Abgrenzung missbraucht werde. Dann müsse man auch mal klar sagen: "Stoppt die Religion, wenn sie gegen die Menschen gerichtet wird."