Immer mehr Deutsche möchten gemeinnützig vererben

epd-bild/Heike Lyding Die Bereitschaft der Deutschen, das Erbe oder Teile davon, an gemeinnützige Organisationen zu geben, ist in den vergangenen sieben Jahren gewachsen. Besonders beliebt sind Umwelt-, Natur- und Tierschutz.

09.01.2020

Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, gemeinnützig zu vererben. Laut einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist fast jeder dritte Deutsche ab 50 Jahren (28 Prozent) bereit, sein Erbe oder einen Teil davon einer gemeinnützigen Organisation zugutekommen zu lassen. Das sind 17 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2013.

Bei den Kinderlosen seien es mit 51 Prozent sogar mehr als die Hälfte. Auch bei dieser Gruppe wuchs die Bereitschaft im Vergleich zu 2013 um 17 Prozentpunkte. Auftraggeber der Studie ist die Initiative "Mein Erbe tut Gutes", ein Zusammenschluss von 22 gemeinnützigen Organisationen, die für gemeinnütziges Vererben wirbt. Nach ihren Angaben wurden im vergangenen Jahrzehnt in Deutschland insgesamt 2,6 Billionen Euro vererbt.

Gesellschaft etwas zurückgeben

Besonders beliebt bei den potenziellen Erblassern seien Umwelt-, Natur- und Tierschutz. Knapp die Hälfte (49,5 Prozent) würden diesem Bereich ihr Vermögen vererben. Auf Platz zwei folgen Soziale Hilfe, Behinderten- und Krankenhilfe (42,3 Prozent), ein Rückgang um zehn Prozentpunkte gegenüber 2013 (53 Prozent). Jeweils etwa ein Fünftel würde sein Geld für die Kinder- und Jugendhilfe, Not- und Katastrophenhilfe, Sanitäts- und Rettungsdienste sowie Bildung, Wissenschaft und Forschung geben. Bemerkenswert sei der Anstieg in der Gunst beim Themenbereich Bürger- und Menschenrechte von 1 Prozent 2013 auf heute 15 Prozent, hieß es.

Bei den Beweggründen für ein gemeinnütziges Vererben erklärten 41 Prozent der Befragten, sie wollten ihre Werte weitergeben. 25 Prozent sagten, sie wollten der Gesellschaft etwas zurückgeben, 22 Prozent führten fehlende Angehörige an und 21 Prozent Angehörige, die bereits versorgt seien. Auffällig sei, dass sich im Gegensatz zu 2013 religiöse Beweggründe von 19 Prozent im Jahr 2013 auf nun 8,2 Prozent mehr als halbiert haben, hieß es.

Schon die kleinsten Beträge würden helfen

Auch die Akzeptanz unter potenziellen Erben für das gemeinnützige Vererben ist demnach gestiegen. Heute werde dieses von gut zwei Dritteln (knapp 68 Prozent) der Betroffenen befürwortet. Im Jahr 2013 waren es 46 Prozent.

Eine gute Nachricht sei zudem, dass 92 Prozent der Befragten wissen, dass man sein Erbe oder einen Teil davon, gemeinnützigen Organisationen zugutekommen lassen kann, sagte die Sprecherin der Initiative, Susanne Anger: "Das ist eine erfreuliche Steigerung im Grundwissen um das Erbe für den guten Zweck." Schon die kleinsten Beträge würden helfen. Nach Angaben eines Sprechers der Johanniter-Unfall-Hilfe finanziert der Wohlfahrtsverband mit Hilfe von Erbnachlässen bundesweit Kältebusse und errichtet im brandenburgischen Burg ein Kinderhospiz.

Für die Studie wurden im September und Oktober 997 Deutsche und EU-Ausländer zwischen 50 und 80 Jahren befragt, darunter 504 Männer und 493 Frauen. Mehrfach-Antworten waren möglich. Von den Befragten hatten 73,3 Prozent eigene oder adoptierte Kinder, 26,7 Prozent waren kinderlos.