Papst fordert «Dialog und Selbstbeherrschung» von Iran und USA

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani Papst Franziskus hat die USA und den Iran aufgefordert, ihren militärischen Konflikt nicht weiter zu eskalieren. Die katholische Bischofskonferenz kritisierte die Vereinigten Staaten für ihre Nahost-Politik.

09.01.2020

Papst Franziskus warnt vor dem Risiko eines bewaffneten Konflikts zwischen dem Iran und den USA. Beim Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Corps am Donnerstag appellierte er an die Konfliktparteien, nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch die USA unter Achtung der internationalen Rechtsordnung "die Flamme des Dialogs und der Selbstbeherrschung" am Brennen zu halten.

Auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich besorgt über die Entwicklungen im Nahen Osten. Ein Krieg müsse verhindert werden, alle Kräfte der Diplomatie müssten aufgeboten werden, um ein weiteres großes Blutvergießen im "geschundenen Nahen Osten" zu verhindern, heißt es in einer am Donnerstag in Bonn veröffentlichten Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Heiner Wilmer.

"Nahost-Politik wirkt seit Jahren konzeptionslos"

Der Hildesheimer Bischof sagte, niemand solle sich über den Charakter des iranischen Regimes täuschen. In dem Bestreben, eine Vormachtstellung im Nahen Osten zu erringen und die Schiiten im konfessionellen Konflikt mit den Sunniten obsiegen zu lassen, überziehe der Iran die Länder der Region mit den Gewalttaten ihm nahestehender Gruppen und Milizen. "Der Iran in seiner jetzigen Verfassung missachtet die Menschenrechte und ist ein Hindernis auf dem Weg zu einem gerechten Frieden auch in seinen Nachbarländern", sagte Wilmer.

Die aktuelle Kriegsgefahr gehe aber ebenso von den USA aus. "Ihre Nahost-Politik wirkt seit Jahren konzeptionslos und unberechenbar", sagte der Hildesheimer Bischof. Auch trage die Verachtung des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber zwischenstaatlicher Kooperation und multilateralen Strukturen zur Zersetzung der internationalen Ordnung bei. "Dies wirkt sich notwendigerweise auch auf die Möglichkeiten der Streitschlichtung und der Friedenssicherung aus", sagte er.

Auch die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) riefen zu einer friedlichen Lösung auf. "Jetzt geht es darum, eine gewaltfreie und zivile Lösung dieses Konflikts zu finden, damit es nicht zu einem Krieg mit unübersehbaren Folgen nicht nur für die Region kommt", sagte EAK-Geschäftsführer Wolfgang Burggraf in Bonn. Der AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister appellierte an die Bundesregierung und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln.