Emeritierter Papst warnt vor Einführung verheirateter Priester

epd-bild / Cristian Gennari Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist gegen die mögliche Einführung verheirateter Priester im Amazonasgebiet. Er warnt vor einer Lockerung des Pflichtzölibats bei Priestern.

13.01.2020

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat vehement Stellung gegen die mögliche Einführung verheirateter Priester im Amazonasgebiet bezogen. In einem am Montag in Auszügen in der französischen Tageszeitung "Le Figaro" vorab veröffentlichten Buch warnt er gemeinsam mit Kurienkardinal Robert Sarah vor einer damit verbundenen Lockerung des Priesterzölibats. Beobachter rechnen damit, dass Papst Franziskus als Antwort auf den Priestermangel im Amazonasgebiet eine regional beschränkte Weihe verheirateter Priester zulassen wird.

Kardinal Sarah bezeichnet die mögliche Weihe verheirateter Männer, sogenannter viri probati im Amazonasgebiet, demnach in dem 175-seitigen Buch als "pastorale Katastrophe". Bei der von den Bischöfen bei der Amazonassynode im vergangenen Herbst mehrheitlich beschlossenen Forderung nach der Weihe verheirateter Männer handle es sich um einen "Dammbruch". Das Priesterzölibat sei mitunter eine "Prüfung", stelle aber zugleich eine "Befreiung" dar. Diejenigen, die die Lockerung des Zölibats als regional beschränkte und damit nicht allgemein gültige Maßnahme vertreten, bezichtigt der aus Guinea stammende Kardinal der "Lüge".

Ehe und Priesteramt erfordern den ganzen Menschen

Benedikt betont in dem am Mittwoch zunächst in Frankreich erscheinenden Buch mit dem Titel "Aus den Tiefen unserer Herzen", aus der täglichen Feier der Messe entstehe spontan die Unmöglichkeit einer ehelichen Bindung. Heutzutage werde der Priesterzölibat fälschlich als Folge einer Verachtung der Körperlichkeit und der Sexualität erklärt. Sowohl das Priestertum als auch die Ehe erforderten jedoch den ganzen Menschen, daher sei eine Verbindung von beidem unmöglich.

Vor dem Hintergrund, das der Priestermangel im Amazonasgebiet noch weit stärker als etwa in Westeuropa ausgeprägt ist, hatte die Bischofssynode über die Kirche in der Region sich im Herbst auf die Forderung nach der Weihe bewährter Familienväter zu Priestern geeinigt. Papst Franziskus hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, er werde am verpflichtenden Zölibat für Priester festhalten, der nicht zu einer "Option" werden könne.

Auf dem Rückflug von Panama zeigte er sich im vergangenen Januar allerdings offen für eine regional beschränkte Einführung verheirateter Priester an "weit entfernten Orten". In Kürze wird mit der Veröffentlichung eines Papstschreibens gerechnet, in denen er nach eigenem Ermessen die Ergebnisse der Bischofssynode über das Amazonasgebiet umsetzt.

Der 92-jährige emeritierte Papst Benedikt hatte bei seinem Amtsverzicht 2013 angekündigt, er werde sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zuletzt hatte er sich nach dem Treffen zwischen seinem Nachfolger Franziskus und Bischöfen aus aller Welt über sexuellen Missbrauch in der Kirche vom vergangenen Februar öffentlich zu Wort gemeldet. In einer Kirchenzeitung hatte er dabei die Missbrauchsfälle unter anderem auf eine seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts herrschende "Normlosigkeit" in Sachen Sexualität zurückgeführt. Gegner von Franziskus berufen sich in ihrer Kritik an seinem Reformkurs gern auf das emeritierte Kirchenoberhaupt, dessen Lehren er ihnen zufolge missachtet.