Knapp 2.000 Obdachlose in Berlin gezählt

epd-bild/Jens Schulze Bei der ersten Berliner Obdachlosenzählung sind weniger Menschen gemeldet worden als allgemein erwartet.

07.02.2020

Gezählt wurden 1.976 Obdachlose, wie die Sozialverwaltung am Freitag mitteilte. Bislang gab es nur Schätzungen, die von 6.000 bis 10.000 Obdachlosen in der Bundeshauptstadt ausgegangen waren. Nach mehrmonatiger Vorbereitung waren in der sogenannten Nacht der Solidarität am 29. Januar rund 2.600 Helfer in 600 Teams berlinweit unterwegs, um auf der Straße lebende Menschen zu zählen.

Vergleichbare Aktionen in Paris und New York

Die Armutsforscherin Susanne Gerull, die die Aktion wissenschaftlich begleitete, betonte, bei der Zählung seien nur die sichtbar auf der Straße lebenden Menschen erfasst worden. Die sogenannte verdeckte Wohnungslosigkeit sei nicht erfasst worden. "Damit müssen wir leben", sagte Gerull. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) erläuterte, anhand der Zahlen solle überprüft werden, inwieweit die Maßnahmen der Wohnungslosenhilfe umgestellt werden müssten: "Dafür müssen wir wissen, wo leben eigentlich welche Menschen."

Die "Nacht der Solidarität" war die erste Zählung von Obdachlosen bundesweit. Vergleichbare Aktionen gab es bereits in Paris und New York. Weitere Zählungen sollen folgen. Kritik kam von der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen. Es sei für Menschen, die auf der Straße leben, ein würdeloser Vorgang, gezählt zu werden, ohne dass die Situation grundlegend verändert werde: "Tiere werden gezählt - Menschen muss geholfen werden", hieß es.