Hera Lind hat Vokabeln auf dem Friedhof gelernt

11.02.2020

Die Schriftstellerin Hera Lind blickt nach eigenen Worten mit gemischten Gefühlen auf ihre Kindheit zurück. "Ich möchte sie nicht noch mal erleben, und sie wäre auch heute gar nicht mehr denkbar", sagte die 62-jährige Sängerin und Fernsehmoderatorin in einem Interview mit der Zeitschrift "Psychologie bringt dich weiter" (02/2020). Da ihre Mutter in der katholischen Kirche Organistin war, half Lind ihr fast täglich in der Kirche: "Selbst Vokabeln habe ich auf dem Friedhof gelernt. In den Pausen zwischen Grill-Mucke und Gruft-Mucke, Maiandachten, Bußgottesdiensten und schmerzensreichen Rosenkränzen."

Den strengen katholischen Glauben ihrer Eltern sieht die gebürtige Bielefelderin heute kritisch: "Meine Eltern waren so fromm, dass es schon an Naivität und Autoritätshörigkeit grenzte." Darunter habe sie gelitten, weil nichts hinterfragt oder gar diskutiert werden durfte. Die kirchliche Erziehung habe auch ihre ersten Schritte ins Berufsleben beeinflusst: "Ich war wahnsinnig gläubig." Deshalb habe sie auch Theologie und Kirchenmusik studiert. "Ich hatte gar keine andere Idee von der Welt und vom Leben", sagte Lind.

Lind gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Zahlreiche ihrer Bücher ("Das Superweib", "Schleuderprogramm") wurden verfilmt.

epd ema kfr