Expertin: Eltern müssen Mediennutzung ihrer Kinder verstehen lernen

epd-bild/Anke Bingel Eltern sollten nach einer Empfehlung der Erziehungswissenschaftlerin Karen Silvester nicht kapitulieren, wenn ihre Kinder viel Zeit mit sozialen Medien wie Instagram und TikTok verbringen.

11.02.2020

Viele Erwachsene fühlten sich davon ausgeschlossen und hielten es für nicht kontrollierbar, was ihr Nachwuchs mit digitalen Medien mache, sagte die Medienexpertin des Vereins SOS-Kinderdorf in München. Dabei gelte es jedoch, auf die Beziehung zum Kind zu vertrauen: "Bei all diesen Erziehungsfragen steht die Bindung im Mittelpunkt", sagte Silvester im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich des "Safer Internet Day" am 11. Februar.

Frustrationstoleranz und Emotionskontrolle

Verunsichert seien viele Eltern vor allem angesichts der Durchdringung von Privatem und Öffentlichem in sozialen Medien, sagte Silvester. Doch die Medienerziehung sei heute gar nicht so anders als früher: "Pädagogische Fachkräfte und Eltern bleiben immer gefordert." Auch bei der Interaktion mit den Medien lernten Kinder für ihre Entwicklung entscheidende Dinge wie Frustrationstoleranz und Emotionskontrolle. Medienbildung bedeutet laut der Expertin: "Eltern sollten dabei sein und verstehen, was ihre Kinder machen."

Zudem sollten Eltern prüfen, was sie selbst ihren Kindern vermitteln. "Wenn ein Kind die Mutter oder den Vater immer mit dem Handy oder Ohrstöpseln sieht, hält es das für normal", sagte Silvester. Entscheidend sei auch, wofür man Computer oder Smartphone nutze. Die Basis für gute Medienerziehung sei Vertrauen. Heimliche Kontrollen von Handys seien kontraproduktiv, "denn Misstrauen schürt nur den Widerstand" - ebenso wie zu viele Verbote. Medienkompetenz bedeute, adäquat am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können: "die Chancen und die Risiken in den medialen Angeboten zu erkennen wie auch, einen persönlichen Ausdruck darüber zu finden".