Medienpädagogen beklagen Kommerzialisierung von Kinder-Influencern

epd-bild / Stefan Arend In sozialen Netzwerken präsentieren sich zunehmend auch Kinder als Influencer. Das Deutsche Kinderhilfswerk und Medienpädagogen halten das für riskant und warnen vor den Folgen für Minderjährige.

11.02.2020

Medienpädagogen kritisieren die Kommerzialisierung von Kinder-Influencern und appellieren an die Verantwortung von Eltern. Ein Kind könne die Folgen der Veröffentlichung von Videos über sich selbst und den eigenen Alltag nicht abschätzen, teilte das Medienerziehungs-Portal "Flimmo" am Dienstag in München zum Safer Internet Day mit. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk wies auf die Risiken für Kinder-Influencer hin und forderte die stärkere Berücksichtigung des Kindeswohls.

Mit Blick auf einen Boom sogenannter Mini-Influencer auf Social-Media-Plattformen wie Youtube warnte das Portal "Flimmo" vor den Folgen für die Minderjährigen. Ein Eingriff in die Privatsphäre sowie Einschränkungen des Rechts auf Freizeit und Erholung würden billigend in Kauf genommen. Kindern solle es zudem nicht zugemutet werden, die Verantwortung für die Existenz der Familie zu tragen, mahnten die Experten des Portals.

Böse Absichten

"Flimmo" empfahl Eltern, ihre Kinder über die Schattenseiten solcher Auftritte aufzuklären: was es bedeutet, sein Privatleben zur Schau zu stellen, dass manche Erwachsene mit bösen Absichten zuschauen und welche Konsequenzen für das spätere Leben als Jugendlicher oder Erwachsener möglich sind. Die Kindheit von minderjährigen Influencern werde "für immer öffentlich" sein.

Youtube sei kein Angebot für Kinder, da diese ungewollt mit ungeeigneten oder verstörenden Inhalten konfrontiert werden könnten, erklärte "Flimmo". Eine Alternative sei die Seite "kindersache.de" des Deutschen Kinderhilfswerks. "Flimmo" ist ein Projekt des Vereins Programmberatung für Eltern. Mitglieder sind elf Landesmedienanstalten, die Stiftung Medienpädagogik Bayern und das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen.

Interessenskonflikt zwischen Eltern und Kindern

Das Deutsche Kinderhilfswerk warnte vor Kinderarbeit im Internet und forderte die stärkere Berücksichtigung des Kindeswohls für Kinder-Influencer. Kinder dürften nicht gedrängt, gelockt oder gar gezwungen werden, vor der Kamera zu agieren, erklärte Kinderhilfswerks-Präsident Thomas Krüger in Berlin. "Wenn arrangierte Szenen gezeigt werden, in denen zugleich, und egal wie subtil für Produkte geworben wird, ist das ganz klar Kinderarbeit. Die ist in Deutschland grundsätzlich verboten", machte Krüger klar.

Bisher hätten die Gewerbeaufsichtsämter Kinder-Influencer noch nicht auf dem Schirm und lägen diesbezüglich im "digitalen Tiefschlaf", bemängelte der Präsident des Kinderhilfswerks. Die Kinderrechtsorganisation sehe zudem mit Sorge, dass in zunehmendem Maße Interessenkonflikte zwischen dem Schutz des Kindeswohls und den finanziellen Interessen der Eltern bestehen. Außerdem sei zu beobachten, dass immer wieder Kinder-Influencer rechtswidrigen Eingriffen auf ihre Integrität ausgesetzt seien. "Filmen beim Aufwecken, der Besuch beim Kinderarzt oder im Krankenhaus, im Badezimmer, im Planschbecken - das geht gar nicht", warnte Krüger.