Forscher: Umfragen sind oft nicht repräsentativ

epd-bild / Heike Lyding Als unzulänglich betrachtet ein internationales Forscherteam zahlreiche Umfragen von Meinungs- und Marktforschungsinstituten.

11.02.2020

"Seit einigen Jahren wird die Qualität der Meinungsdaten zunehmend untergraben, weil viele Umfrageinstitute zu günstigeren, aber wissenschaftlich nicht fundierten Methoden greifen", teilte die Universität Mannheim am Dienstag mit. Zudem drängten immer mehr neue Unternehmen auf den Markt, und die Institute müssten immer schneller liefern.

Für ihre Forschung analysierten die Wissenschaftler die Ergebnisse von 25 Vergleichsstudien. Dabei zeigte sich, dass die große Mehrheit der Meinungsumfragen keine repräsentativen Ergebnisse liefert, heißt es in der Mitteilung.

Verzerrte Ergebnisse

Als ein besonders großes Problem - für die ganze Branche, auch für die etablierten Marktführer - identifizierten die Wissenschaftler sogenannte Online-Befragtenpools. Dafür melden sich die Teilnehmer selbst im Internet an oder werden über Banner-Anzeigen auf großen Nachrichtenseiten angesprochen. "Diese Gruppe kann jedoch nicht repräsentativ für die ganze Bevölkerung sein, weil sie meist aus internetaffinen, politisch interessierten, gebildeten Menschen mittleren Alters besteht", heißt es.

Selbst wenn die Zahl der Befragten in die Tausende gehe, seien die Ergebnisse verzerrt. Denn die Bevölkerung werde nicht adäquat abgebildet. "Das Versprechen, von einer Stichprobe auf die Allgemeinheit schließen zu können, kann so nicht eingehalten werden", erklärt die Mannheimer Politikwissenschaftlerin Annelies Blom. Für eine seriöse Studie sei es notwendig, eine Zufallsstichprobe zu ziehen, die Menschen verschiedenster Hintergründe aus allen Regionen Deutschlands erfasst.