Marx gibt Vorsitz der Bischofskonferenz ab

epd-bild/Christoph Boeckheler Kardinal Marx will keine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er will sich in Zukunft wieder stärker auf sein eigenes Bistum konzentrieren. Was sein Rückzug für den katholischen Reformprozess bedeutet, ist noch unklar.

11.02.2020

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zieht sich von der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zurück. Bei der für Anfang März anstehenden Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe wolle er nicht mehr zur Wahl des Vorsitzenden antreten, teilte die Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn mit. Der 66-jährige Kardinal will damit nach eigenen Angaben einen Generationswechsel ermöglichen.

Die Bischofskonferenz zitiert in ihrer Mitteilung aus einem Schreiben von Marx an seine Bischofskollegen. Am Ende einer zweiten Amtszeit wäre er selbst 72 Jahre alt, erklärte Marx. Sein Rückzug stehe für ihn "schon seit einiger Zeit" fest.

Als Grund führt Marx auch an, sich stärker seinem Erzbistum München und Freising widmen zu wollen. Weiter mitarbeiten will Marx aber auch beim Synodalen Weg. Den durch den Missbrauchsskandal angestoßenen Reformprozess in der katholischen Kirche hatte der Münchener Kardinal wesentlich mitgeplant und gegen konservative Bischöfe in Deutschland durchgesetzt. Seinen Sitz im Präsidium des Synodalen Wegs wird er laut Satzung aber abgeben müssen, wenn er nicht mehr Vorsitzender der Bischofskonferenz ist.

"Großartiges geleistet"

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Co-Präsident von Marx beim Synodalen Weg, Thomas Sternberg, zeigte Verständnis für die Entscheidung des Münchner Erzbischofs. Marx habe "Großartiges geleistet für die Rückgewinnung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche", erklärte Sternberg. Angesichts der Aufgaben in der Weltkirche und in seinem Bistum verstehe er aber die Beweggründe von Marx, sagte der Präsident der katholischen Laienbewegung.

Marx stand seit 2014 an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. 2008 war Marx Erzbischof von München und Freising geworden. 2010 folgte die Ernennung zum Kardinal. Marx berät zudem Papst Franziskus bei der Kurienreform im Vatikan.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bedauert nach eigenen Worten die Entscheidung von Kardinal Marx. Mit Marx verbinde ihn nicht nur eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit, "zwischen uns ist auch eine echte Freundschaft entstanden. Für beides bin ich zutiefst dankbar", sagte der bayerische Landesbischof am Dienstag laut Mitteilung der EKD.

Die Beziehungen der EKD zur Deutschen Bischofskonferenz seien von so viel Vertrauen geprägt, dass die enge Verbindung über die aktive Zeit von Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz hinaus weitertragen werde. "Ich freue mich auf einen umso intensiveren Kontakt mit Reinhard Marx in Bayern", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende.

Häufiger Wechsel

In seinem Schreiben führte Marx weiter aus, es sei vielleicht auch gut, wenn es häufiger einen Wechsel im Vorsitz der Bischofskonferenz gebe. Marx' Vorgänger Robert Zollitsch hatte das Amt ebenfalls für sechs Jahre, also eine Amtsperiode lang, inne. Dessen Vorgänger Karl Lehmann war dagegen mehr als 20 Jahre Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Stellvertreter von Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz ist der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (68). Ein Sprecher des Bistums sagte dem epd am Dienstag, dass Bode mit Blick auf Alter und Gesundheit nicht für die Nachfolge von Marx kandidieren werde. Der dienstälteste unter den deutschen Bischöfen wird am Sonntag 69 Jahre alt.

Die Wahl des Vorsitzenden steht turnusgemäß auf der Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischofe, die vom 2. bis 5. März in Mainz stattfinden soll. In der Bischofskonferenz sitzen 69 deutsche Bischöfe aus allen 27 Diözesen.