Papst-Schreiben: Keine Lockerung des Priesterzölibats

epd-bild/Agenzia Romano Siciliani Enttäuschte Hoffnungen: Beim Streitthema verheiratete Priester vermeidet Papst Franziskus eine Entscheidung. Während er eine Lockerung des Zölibats ausschließt, betont sein Mediendirektor, Keuschheit gehöre nicht zwingend zum Priestertum.

12.02.2020

Papst Franziskus schließt die Weihe verheirateter Männer zu katholischen Priestern vorerst aus. Weiheämter für Frauen als Mittel gegen den Priestermangel lehnt der Papst in seinem am Mittwoch in Rom veröffentlichten nachsynodalen Schreiben mit dem Titel "Das geliebte Amazonien" ("Querida Amazonia") ebenfalls ab. Dies würde zu einer "Klerikalisierung der Frauen" führen und ihren Beitrag schmälern. Bei vielen, die auf eine Lockerung des Pflichtzölibats und eine Stärkung der Rolle von Frauen in der Kirche gehofft hatten, löste das Papier Enttäuschung aus. Franziskus sprach in seinem Schreiben vor allem ökologische und soziale Fragen an.

Die Bischofsversammlung über das Amazonasgebiet hatte im vergangenen Oktober in ihrem Abschlussdokument die Weihe von verheirateten Männern verlangt. Mit Blick auf die kontroverse Diskussion um die Forderung als Mittel gegen den Priestermangel im Amazonasgebiet betonte der Papst, er werde nicht auf alle Fragen des Schlussdokuments der Synode eingehen.

Priester müssen nicht vollständig enthaltsam sein

Der päpstliche Mediendirektor Andrea Tornielli erklärte im Zusammenhang mit der Diskussion, die "vollkommene und ständige Enthaltsamkeit" sei "nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert". Damit zitierte er das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils "Presbyerorum ordinis" über das Priestertum von 1965 und damit ein verbindliches Dokument.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte bei der Vorstellung des Papst-Schreibens in Bonn mit Blick auf die Auseinandersetzungen um den Priesterzölibat, die Diskussion sei nicht abgeschlossen. Marx hatte im Oktober an der Synode teilgenommen.

Die Aufgabe von Synoden sei es, Vorschläge zu machen, betonte der Untersekretär der Vatikanbehörde für Entwicklung, Kardinal Michael Czerny, bei der Vorstellung des Schreibens im Vatikan. Die darin enthaltene Einladung, das Abschlussdokument der Synode mit der Forderung nach verheirateten Priestern ganz zu lesen, verleiht diesem laut Czerny moralische Autorität.

Ausbeutung der Amazonas-Region steht im Mittelpunkt

Im Schreiben von Franziskus zur Amazonassynode standen ökologische und soziale Fragen im Mittelpunkt. So beklagte das Kirchenoberhaupt eine "ökologische Katastrophe" in der Region mit weltweiten Auswirkungen. Darin verurteilte er zugleich die systematische Unterdrückung von indigenen Völkern und die Zerstörung ihres Lebensraums mit verbrecherischen Methoden. Franziskus beklagte vor allem "kolonisatorische Interessen" als Hintergrund für illegale Abholzung des Regenwalds sowie eine Ausweitung von Bergbau und Ölförderung in der Region.

Internationalen Konzernen warf der Papst "Ungerechtigkeit und Verbrechen" bei der Zerstörung der Umwelt und Vertreibung des Ureinwohner vor. Zu den Mitteln der Holz-, Bergbau- und Ölindustrie gehörten Sanktionen gegen Proteste und die Ermordung von Indigenen, Brandstiftung in Wäldern und die Bestechung von Politikern und Indigenen, beklagte Franziskus in seinem knapp 30-seitigen Schreiben.

Auch Mitglieder der Kirche seien in der Vergangenheit "Teil des Korruptionsnetzes" gewesen, räumt der Papst in seinem apostolischen Schreiben ein. Im Austausch gegen finanzielle Unterstützung von kirchlichen Werken hätten diese bisweilen Stillschweigen gewahrt.